EU-Kommissar in der "Tiroler Tageszeitung"

EU-Kommissar Franz Fischler (rechts) fordert nun in einem Interview mit der "Tiroler Tageszeitung" den Rücktritt Wendelin Weingartners als Tiroler Landeshauptmann. Weingartner bringe mit seiner Art und Weise der Amtsführung dem Lande keinen Nutzen mehr, so der Kommissar wörtlich.
Fischler, der auch Mitglied des Tiroler VP-Vorstandes ist, tritt daher für einen Rücktritt noch bis zum Frühsommer ein. Im Anschluss an die "Hofübergabe" an VP-Obmann Herwig van Staa sollten dann rasch Neuwahlen durchgeführt werden. Die Legislaturperiode in Tirol würde noch bis zum Frühjahr 2004 andauern.
Hofübergabe und der Termin für Neuwahlen sollen im Zuge eines Parteitages durchgeführt werden. "Es wäre als Partei unverantwortlich, wenn man diesen Wechsel nicht rechtzeitig durchführt", so Fischler. Scharfe Kritik übte der EU-Kommissar zudem an der anhaltenden Diskussion rund um die Zukunft der landeseigenen Hypobank. Er ist - wie Weingartner - ein Anhänger der Bankenholding zwischen der Hypobank und der Südtiroler Sparkasse. Dieser Bankenkonflikt führte letztlich zum Zerwürfnis innerhalb der VP.
Fischler kritisiert jetzt, dass man die Personaldebatte in der Tiroler VP mit der Bankendebatte vermischt habe. Er nennt das Scheitern der Bankenholding eine "vertane Chance" für Tirol. Er sieht nämlich die strategische Zukunft des Landes in der Brückenfunktion zwischen den mächtigen Wirtschaftsräumen in Süddeutschland und Norditalien. Seiner Meinung nach wurde die "strategisch richtige Idee einer Bank für die Europaregion Tirol" mit "Argumenten aus der untersten Schublade" zerstört. Er erinnert daran, dass die Bankengegner auch in seiner Partei die "Südtiroler Sparkasse schon als walsche Bank" bezeichnet haben.
Weingartner reagiert gelassen
Der Tiroler Landeshauptmann Wendelin Weingartner (V) hat auf die Aussagen von EU-Kommissar Franz Fischler gelassen reagiert. Er begrüße Fischlers Überlegungen zur "strategischen Ausrichtung Tirols in Europa". Dies entspreche auch der Sicht Weingartners, "auch was die Hypo Tirol Bank anbelangt". "Keinen Grund" sieht Weingartner, sich an der Debatte über Neuwahlen zu beteiligen, hieß es Freitag Abend aus dem Büro des Landeshauptmannes.
Wenn in Tirol "mehr Leute diese strategische Orientierung so sehen würden wie Fischler, wäre es nicht zu so einer Situation gekommen und man würde nicht von Neuwahlen sprechen", teilte Weingartner weiters mit. Die Partei müsse sich die Frage von Neuwahlen "sehr gut überlegen", weil der "Wähler üblicherweise den der Neuwahlen vom Zaun bricht, nicht belohnt", erklärte Weingartner in einer ersten Stellungnahme.
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