Freitag, 4. Jänner 2002

Möglicherweise Lösung der Kaschmir-Krise

Vor dem offiziellen Beginn des Südasien-Gipfels in Nepal am Samstag haben die pakistanischen Behörden mehr als 130 mutmaßliche islamische Extremisten festgenommen. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte am Freitag in Islamabad, die Operation habe in der Nacht begonnen und dauere noch an.

Unter den Festgenommenen seien auch Anführer der Gruppen Lashkar-e-Toiba und Jaish-e-Mohammed, die von Indien mit dem Terroranschlag auf das Parlament in Neu-Deli im Dezember in Verbindung gebracht werden.

Diplomaten bewerteten die angekündigten Festnahmen in Pakistan als Geste Islamabads, um die Spannungen mit Indien zu verringern. Bereits in den vergangenen zwei Wochen waren Mitglieder der beiden Gruppen in Pakistan festgenommen worden.

Indien und Pakistan am Rande eines Krieges
Die beiden Atommächte stehen am Rande eines Krieges, nachdem bei einem Anschlag von Moslemextremisten auf das Parlament in Neu Delhi Mitte Dezember 14 Menschen getötet wurden. Eine Unterredung mit dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf am Rande des Gipfels schloss der indische Premierminster Atal Behari Vajpayee allerdings aus. Ein weiteres Thema der Konferenz ist eine mögliche Aufnahme Afghanistans in die südasiatische Interessengemeinschaft.

Musharraf ist bereit für den Dialog
Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat seine Bereitschaft zum Dialog mit Indien erneut bekräftigt. Pakistan hoffe auf Frieden, sei gegen den Krieg und wünsche die derzeitigen Spannungen abzubauen, sagte Musharraf in Peking. Dort war er vor Beginn des Südasien-Gipfels in Nepal mit dem chinesischen Regierungschef Zhu Rongji zusammengetroffen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag berichtete.

Musharraf betonte, seine Regierung habe die "nötigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus und zur Eindämmung des Extremismus" getroffen und werde sie auch weiterhin treffen. Die Regierung genieße dabei die "breite Unterstützung der pakistanischen Bevölkerung". Musharraf reist über China nach Nepal, da Indien den Luftraum für pakistanische Flugzeuge gesperrt hat.

Zhu sagte, es sei das "fundamentale Interesse" Pakistans wie Indiens, dass beide Länder ein "Maximum an Zurückhaltung" übten und Frieden und Stabilität in Südasien wahrten. China gilt als traditioneller Verbündeter Pakistans. Peking hat sich bisher aus dem Konflikt zwischen den beiden Erbfeinden herausgehalten.

Unabhängigkeitsführer in Kaschmir ruft zur Konflikt-Lösung auf
Der Chef der Befreiungsfront für Jammu und Kaschmir, Yasin Malik, hat Indien und Pakistan aufgerufen, einen Krieg zu vermeiden und den Kaschmirkonflikt zu lösen. Der indische Premierminister Atal Behari Vajpayee und der pakistanische Präsident Pervez Musharraf müssten auf dem Südasien-Gipfel "Mut, Weitblick und Zurückhaltung" beweisen, sagte Malik am Freitag in Neu Delhi. Der Streit um Kaschmir sei das größte Hindernis für einen Frieden in Südasien.

Sollte sich eine "positive Entwicklung" abzeichnen, werde das Bündnis Hurriyat, in dem rund 20 für die Unabhängigkeit Kaschmirs eintretende Parteien zusammenschlossen sind, die moslemischen Gruppen in der Region zu einem Waffenstillstand aufrufen, so Malik.

4.1.2002 08:26