Anti-Taliban-Kämpfer dementieren Omars festnahme

Der seit Wochen gesuchte Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar ist offenbar doch nicht festgenommen worden. Ein afghanischer Minister hatte vermeldet, er habe von Omars Gefangennahme gehört. Anti-Taliban-Kämpfer dementierten dies jedoch. Verhandlungen über Omars Auslieferung lehnt US-Verteidigungsminister Rumsfeld strikt ab.
Der afghanische Minister für Wiederaufbau, Mohammed Amin Farhang, sagte am Donnerstagabend in den ARD-"Tagesthemen", er habe gehört, dass Omar festgenommen worden sei. Nähere wisse er aber noch nicht. Afghanische Soldaten, unterstützt von US-Elitesoldaten, suchen im Osten Afghanistans nach dem Taliban-Führer sowie dem mutmaßlichen Terroristenchef Osama bin Laden und ihren Kämpfern.
Anti-Taliban dementieren Omars Festnahme
Anti-Taliban-Kämpfer sind eigenen Angaben zufolge im Süden Afghanistans noch immer auf der Suche nach dem Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar. "Falls er gefangen genommen würde, wüssten wir das innerhalb einer halben Stunde", sagte am Freitag ein Sprecher des Geheimdienstchefs von Kandahar, Hadji Gullalai. Die Kämpfer der Anti-Taliban-Verbündeten hätten rund um ein Dorf Position bezogen, in dem sich Mullah Omar versteckt halten soll. Sie würden dabei von US-Streitkräften unterstützt, sagte er.
Zum ersten Mal seit knapp einer Woche haben die US-Streitkräfte in Afghanistan wieder ein Ziel aus der Luft angegriffen. Die US-Luftwaffe bombardierte ein mutmaßliche Ausbildungslager der El-Kaida-Organisation Bin Ladens in der Region. Es war der erste Luftangriff der USA seit dem 28. Dezember.
Omar seit Kandahar-Fall auf der Flucht
Omar ist seit dem Fall der Taliban-Hochburg Kandahar Anfang Dezember auf der Flucht. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Ein in der südlichen Provinz Helmand verschanzter Taliban-Kommandeur wolle Omar ausliefern, sobald die US-Luftwaffe ihre fortdauernden Angriffe stoppe und so ein "Blutbad" verhindere, sagte ein Vertreter des afghanischen Geheimdienstes am Donnerstag. Dann seien auch bis zu 1500 Kämpfer der Taliban und der El Kaida zur Aufgabe bereit.
Rumsfeld: "Keine Verhandlungen über Omars Auslieferung"
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld lehnte Verhandlungen über eine Auslieferung Omars strikt ab. "Wir werden keine Kampfpausen oder Verhandlungen erlauben, die dazu führen, dass Leute freigelassen werden, die nicht freigelassen werden dürfen", sagte er in Washington.
In der östlichen Region Khost südlich der Bergfestung Tora Bora habe es "Aktivitäten" gegeben, die Luftangriffe rechtfertigten, sagte US-Generalstabschef Richard Myers. An den Angriffen seien schwere Kampfbomber vom Typ B-1 und AC-130 sowie F/A-18-Kampfjets beteiligt gewesen. Das mutmaßliche El-Kaida-Ausbildungslager sei im Jahr 1998 schon einmal mit Marschflugkörpern angegriffen worden. Damals hatten die USA als Vergeltung für die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania Ziele in Afghanistan angegriffen.
Bush lädt Regierungschef Karsai nach Washington ein
US-Präsident George W. Bush lud den afghanischen Regierungschef Hamid Karsai nach Washington ein. Die Einladung habe der US-Gesandte James Dobbins bereits kurz nach Karsais Amtsantritt am 22. Dezember überbracht, teilte ein Sprecher des Weißen Hauses mit. Der Termin für den Besuch stehe jedoch noch nicht fest. Der Sprecher der afghanischen Übergangsregierung hatte zuvor in Washington erklärt, Karsai wolle sich "beim amerikanischen Volk sowie bei der Regierung und dem Kongress für die Unterstützung bedanken".
Hilfslieferungen konnten Hungerkatastrophe abwenden
Die zeitgleich mit den US-Luftangriffen begonnene internationale Hilfsaktion für Afghanistan hat nach US-Angaben eine Hungerkatastrophe im Land abgewendet. Von Oktober bis Dezember habe das Welternährungsprogramm insgesamt 200.000 Tonnen Lebensmittel verteilt, sagte der Leiter der US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID), Andrew Natsios. Zwei Drittel der Hilfsgüter stammten demnach aus den USA. In einigen schwer erreichbaren Gebieten im Gebirge sei die Lage aber immer noch Besorgnis erregend. "Wir sind nicht sicher, dass auch jeder zu essen bekommt."
Ein Vertreter des US-Außenministeriums sagte, seit Beginn der Luftangriffe im Oktober seien 150.000 Afghanen aus ihrer Heimat geflohen und damit weit weniger als erwartet. Nun sei es wichtig, die Heimkehr dieser Flüchtlinge vorzubereiten. Mit einer Rückkehrwelle werde aber erst mit Beginn des Frühlings gerechnet.
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