Dienstag, 1. Jänner 2002

"Kann den Nachbarn nicht in Geiselhaft nehmen"

EU-Agrarkommissar Franz Fischler ist "absolut" gegen die von der FPÖ initiierte Volksbefragung zum tschechischen AKW Temelin. "Hier wird der Versuch von Rosstäuscherei unternommen. Die AKW-Sicherheit wird vorgeschoben. In Wirklichkeit geht es um Stimmung gegen die Erweiterung, speziell gegen Tschechien", so Fischler.

"Ich respektiere die Sorgen der Menschen punkto AKW-Sicherheit. Aber man kann den Nachbarn nicht in Geiselhaft nehmen. Hier gibt es nur einen Weg, die Debatte über gemeinsame europäische Sicherheitsstandards", meinte Fischler in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier" (Dienstagsausgabe).

Gefragt, welche Rolle Österreich in der EU nach den so genannten Sanktionen spiele, meinte Fischler, "eine durchschnittliche". Man sollte aufhören, nach rückwärts zu schauen. Die 14 hätten ein anderes Verhältnis zu Österreich hergestellt. Österreich könnte aber aus seiner strategischen Position weit mehr machen, als es tue. "Wir müssen erkennen, dass die Erweiterung die Wohlstandsvermehrung für die Österreicher in den nächsten 20 bis 30 Jahren ist. Je mehr wir diese Chance nutzen, desto besser für uns", so Fischler.

Die europäische Integration habe sich für die Bauern positiv ausgewirkt, betonte der Agrarkommissar. Die erste Hochrechnung für die Einkommensentwicklung der Landwirte ergebe, dass die Einkommen der heimischen Bauern 2001 um acht Prozent gestiegen seien.

1.1.2002 12:16