Freitag, 28. Dezember 2001

SPEZIAL: ALLES ZUM EURO

Bei der Euro-Umstellung in Österreich ist alles soweit glatt gegangen - von kleinen Pannen und Warteschlangen abgesehen. Der "Run" auf die Euro-Banknoten und -Münzen hat am ersten Tag des Neuen Jahres angehalten. "Die Menschen wollen das neue Geld in der Hand halten", brachte es Erste Bank-Vorstand Erwin Erasim auf den Punkt. Insgesamt wurden bis zum Nachmittag rund 38 Mill. Euro behoben.

Bis heute Nachmittag wurden an den mehr als 2.600 Bankomaten in Österreich rund 250.00 Abhebungen gemacht mit einem Volumen von 38 Mill. Euro oder 523 Mill. S. Im Schnitt ziehen die Österreicher laut Europay rund 150 Euro. Am 1. Jänner finden normalerweise praktisch keine Transaktionen statt. In der Nacht verkaufte die Nationalbank rund 8.000 Stück Startpakete mit Münzen und Scheinen, die zum Teil schon in Sekt, Glücksschweine oder Taxifahrten investiert wurden.

Schüssel: "historischer Moment"
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ging zusammen mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und EU-Kommissar Franz Fischler mit gutem Beispiel voran: Knapp nach Mitternacht erwarb er in der Wiener Innenstadt für 32 Euro rote und weiße Rosen für seine Frau Flavia. Europa wachse mit der gemeinsamen Währung enger zusammen, die Einführung des Euro-Bargelds für mehr als 300 Millionen Europäer sei ein "historischer Moment". Bundeskanzler Schüssel dankte dem Schilling, "der Österreich groß gemacht hat", und hieß den Euro willkommen.

Euro-Panne: Mitarbeiter verkaufte Startpakete zu billig
Einen Zwischenfall gab es in Graz, wo ein Mitarbeiter der dortigen Nationalbank-Filiale in der Silvesternacht mehrere zu 25 Stück gebündelte Start-Pakete mit Euro-Banknoten und -Münzen versehentlich zum Preis von einem - 500 Schilling teuren - verkaufte, also um jeweils 12.000 S zu "billig". Bis zum Nachmittag brachten "ehrliche Käufer" aber fast alle Pakete zurück.

Warteschlangen bei Wiener Bankfilialen
In Wien kam es am Dienstag vor den drei zwischen 12 und 17 Uhr geöffneten Bankfilialen zu Warteschlangen. In der Bank Austria-Filiale am Hof etwa bildeten sich in der ersten halben Stunden vor den Schlagen vor den vier Schaltern, wobei etwa zwei Drittel der Menschen Schillinge in Euro tauschten, der Rest hob das neue Geld vom Konto ab.

Viele Österreicher hatten sich in den vergangenen Tagen noch mit etwas mehr Bargeld eingedeckt, das sie nun mit einem Schlag umtauschen wollten. "Mir sind relativ viele Schilling übriggeblieben", meint etwa ein junger Mann in der Warteschlange. Er will seine ersten Euro-Scheine und Münzen aber nicht für irgend etwas ausgeben, sondern morgen damit ein Geschenk für seine Frau kaufen, erzählt er.

Bevölkerung reagiert mit Wohlwollen und Fatalismus
Die meisten Menschen betrachten das neue Geld mit einer Mischung aus wohlwollendem Interesse und Fatalismus: "Was soll man den tun, man muss sie ja daran gewöhnen", meinte etwa ein alter Mann an der Billa-Kasse am Franz-Josefs-Bahnhof in Wien. Er will allerdings zu Hause nachrechnen, was da an Wechselgeld für den 50-Schilling-Schein bekommen hat, mit dem er seine beiden Joghurts und ein Semmerl bezahlt hat. Den Umrechnungskurs wisse er nicht, sagt er, und auch sonst hat er sich mit dem Euro noch nicht allzusehr beschäftigt.

Auch EZB meldet keine Probleme
Die Einführung des Euro-Bargelds in zwölf Staaten der Europäischen Union in der Nacht auf Dienstag ist nach Ansicht der Europäischen Zentralbank (EZB) bisher völlig reibungslos verlaufen. "Das ist für uns die beste Nachricht des Tages: Wir haben keinerlei Probleme zu melden", sagte eine Sprecherin der EZB in Frankfurt. Bis zum Ende des Neujahrstages sollten fast alle der 200.000 Geldautomaten in den Euro-Staaten umgestellt sein. Eine erste ausführlichere Bilanz der größten Währungsumstellung aller Zeiten will die EZB in der nächsten Woche ziehen.

Streik bei Italiens Notenbank steht bevor
Der italienischen Notenbank steht unterdessen ausgerechnet am ersten Arbeitstag mit dem Euro am Mittwoch ein Streik bevor. Die meisten Zweigstellen der Bank von Italien (Banca d'Italia) werden aber trotz des Streikaufrufs von zwei der sechs Gewerkschaften bei der Zentralbank geöffnet sein. In den großen Städten wie Rom, Mailand und Neapel werden die Zweigstellen auf jeden Fall geöffnet sein, sagte Vizedirektor Antonio Finocchiaro.

Bei den kleineren Filialen werde es jedoch schwieriger sein. Da die italienischen Banken und Poststellen aber gut mit der neuen Währung versorgt seien, erwarte man keine Schwierigkeiten. Bei dem Streikaufruf geht es um ein Mediationsverfahren zu einem Vertragsstreit.

28.12.2001 19:11