Strobl-Festspiele in Südtirol: Fritz vor Josef

Bormio war auch am Samstag fest in österreichischer Hand. Nach dem ÖSV-Triple vom Vortag lagen am Samstag in der zweiten Weltcup-Abfahrt der Herren gleich vier ÖSV-Läufer voran. Fritz Strobl, am Freitag Zweiter hinter Christian Greber, gewann mit 1:55,0 Minuten vor Josef Strobl (0,19 Sekunden zurück), Stephan Eberharter (0,69) sowie Überraschungsmann Klaus Kröll (0,74).
Fritz Strobl durfte damit über den siebenten Weltcupsieg seiner Karriere jubeln. Greber landete als fünftbester ÖSV-Läufer auf Rang sieben.
Nach 1997 (Maier vor Schifferer, Franz und Eberharter) und 2000 (Trinkl vor Maier, Greber, F. Strobl) war das der dritte ÖSV-Vierfach-Erfolg in Bormio, wo 1998 sogar sechs Österreicher (Maier, F. Strobl, Eberharter, Knauß, Franz, Trinkl) voran gelegen waren. Diesmal war im italienischen WM-Ort von 1985 Fritz Strobl an der Reihe, der sich damit erstmals seit Ende Jänner in Garmisch wieder in die Siegerliste eintrug.
Zwei Supertage
"Das waren zwei Supertage", resümierte der 29-jährige Kärntner in seiner ruhigen, gelassenen Art. "Nach dem zweiten Platz am Freitag habe ich gewusst, dass ich hier auch gewinnen kann, wenn alles stimmt", sagte der Routinier aus Gerlamoos, den die weniger guten Ergebnisse zum Saisonauftakt nicht beunruhigt haben. "Ich habe mir gesagt, du darfst nicht die Nerven verlieren", sagte Fritz, der auf der superschnellen und technisch anspruchsvollen Stelvio-Piste vor allem oben eine Superfahrt erwischt hatte. Davon konnte er dann unten etwas zehren, "denn da bin nicht mehr mit der letzten Konsequenz gefahren."
Josef Strobl drehte unten auf
Bei Josef Strobl, der andere Ski als am Vortag (11.) angeschnallt hatte, war es umgekehrt. Er war oben mehr auf Sicherheit bedacht ("da war ich nicht ganz am Limit"), dafür drehte er unten groß auf und sicherte sich dadurch Rang zwei, was ihn für die nächsten Einsätze zuversichtlich stimmte: "Ich habe gesehen, dass ich wieder vorn dabei bin."
Steff war leicht verärgert
Eberharter ärgerte sich etwas, dass ihm wieder kein optimaler Lauf gelungen war. "Wenn ich oben die Traverse nicht total verhaut hätte, wäre ich um den Sieg mitgefahren", konstatierte der Tiroler, der aber letztlich auch mit seinem dritten Platz zufrieden war. Schließlich baute er damit seine Spitzenposition im Gesamt-Weltcup weiter aus und zieht mit 280 Punkten Vorsprung auf Bode Miller (USA) ins Olympia-Jahr 2002.
Überraschungsmann Klaus Kröll
Von den Strobls und Eberharter durfte man Spitzenlätze erwarten, nicht aber von Klaus Kröll, der mit Startnummer 19 auf Rang vier brauste. "Ich habe schon im Training aufgezeigt und heute habe ich von oben bis unten alles gut erwischt", sagte der selbstbewusste Steirer. Der zweifache Junioren-Weltmeister, mit 21 Jahren der jüngste Mann im Feld, verzeichnete damit bei seinem Bormio-Debüt das bisher beste Resultat seiner Karriere und hat sich auch für seine nächsten Einsätze Top Ten-Plätze zum Ziel gesetzt.
Greber ist Start nicht leicht gefallen
Dass es bei Greber nicht so gut klappte wie am Vortag, ist angesichts der Umstände - er erfuhr nach dem Freitag-Rennen vom Lawinentod seines Cousins Bernd - verständlich. "Ihm widme ich diesen Sieg", sagte der Vorarlberger, dem es nicht leicht gefallen war, überhaupt an den Start zu gehen. "So gesehen habe ich das Maximum herausgeholt", meinte Greber, der deshalb auch nicht mit optimaler Konzentration bei der Sache war.
Abfahrts-Coach mehr als zufrieden
Abfahrts-Coach Robert Trenkwalder hatte natürlich alle Grund, mit seinen Burschen zufrieden zu sein. Denn nach den Ausfällen von sieben Leuten (Maier, Trinkl, Franz, Gruber, Walchhofer, Holzknecht und Schifferer, der am Samstag wegen einer Grippe fehlte) zwei solche Mehrfach-Erfolge zu landen und alle sieben Starter unter die besten 15 (Rzehak 11., Knauß 15.) zu bringen, spricht für seine exzellente Arbeit. Die Schweizer Franco Cavegn (5.) und Bruno Kernen (6.) waren am Samstag die einzigen Läufer, die mit den ÖSV-Assen mitzuhalten vermochten.
| Ergebnis Herren-Abfahrt in Bormio |
| 1. | Fritz Strobl | AUT | 1:55,00 Min. | |
| 2. | Josef Strobl | AUT | +0,19 Sek. | |
| 3. | Stephan Eberharter | AUT | +0,69 | |
| 4. | Klaus Kröll | AUT | +0,74 | |
| 5. | Franco Cavegn | SUI | +0,82 | |
| 6. | Bruno Kernen | SUI | +0,89 | |
| 7. | Christian Greber | AUT | +0,94 | |
| 8. | Kurt Sulzenbacher | ITA | +1,05 | |
| 9. | Antoine Deneriaz | FRA | +1,17 | |
| 10. | Chad Fleischer | USA | +1,22 | |
| 11. | Peter Rzehak | AUT | +1,45 | |
| 12. | Kjetil-Andre Aamodt | NOR | +1,52 | |
| 13. | Daron Rahlves | USA | +1,55 | |
| 14. | Kristian Ghedina | ITA | +1,76 | |
| 15. | Hans Knauß | AUT | +1,77 |
Ausgeschieden u.a.:
Markus Herrmann (SUI), Rolf Von Weissenfluh (SUI)
Steckbrief Fritz Strobl
Geb.: 24.8.1972 in Lienz
Wohnort: Gerlamoos/Kärnten
Größe: 1,87 m
Verein: SC Steinfeld
Ski: Salomon - Schuh: Salomon
Beruf: Gendarm
Hobbys: Bergwandern, Radfahren
Größte Erfolge:
Weltcup: 7 Siege
Abfahrt (6): Val d'Isere 96, Kitzbühel 97,00, Vail 97, Garmisch 01, Bormio 01
Super G (1): St. Anton 00
WM: 4. Abfahrt 1997, 6. Abfahrt 2001
Olympia: 11. Abfahrt 1998
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