Sonntag, 30. Dezember 2001

Hoffen auf slowenische Staatsbürgerschaft

Jamaikas Sprintkönigin Merlene Ottey hofft auf einen Start bei der Hallen-EM in Wien (1. bis 3. März). Dafür müsste die 200-m-Weltmeisterin von 1993 in Stuttgart so schnell wie möglich die slowenische Staatsbürgerschaft, um die sie bereits angesucht hat, erhalten. Obwohl eine Einbürgerung nicht mehr so leicht ist, wie in der ersten Zeit nach der Unabhängigkeit, gehen slowenische Medien davon aus, dass Ottey in Wien dabei sein wird, weil auch der slowenische Verband den Antrag unterstützt.

Die 41-jährige Jamaikanerin lebt und trainiert bereits seit drei Jahren in der slowenischen Hauptstadt und liebt den ruhigen Lebensstil. "Das ist ein logischer Schritt", sagte der in Liechtenstein lebende Ottey-Manager Daniel Zimmermann. Die Sprinterin, die in ihrer Karriere insgesamt 22 Medaillen bei Olympischen Spielen (8) und Freiluft-Weltmeisterschaften (14) gewonnen hat, strebt die Doppel-Staatsbürgerschaft an. Bei ihrem bisher letzten Start für Jamaika hatte Ottey im Vorjahr bei den Olympischen Spielen in Sydney mit der Staffel die Bronzemedaille gewonnen.

Kein Doping-Nachweis
Der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) hatte zuvor ihre Suspendierung im Zusammenhang mit Nandrolon-Doping aufgehoben und damit den Weg zu ihrer fünften Olympia-Teilnahme seit 1980 freigemacht. Nach einer positiven Probe am 5. Juli 1999 in Luzern nannte die IAAF als Grund für den Freispruch, dass der Labortest nicht zuverlässig genug gewesen sei, um eine Schuld festzustellen. Der jamaikanische Verband hatte den Unschuldsbeteuerungen der Sprinter (Bestleistungen 10,74/1996 und 21,64 Sekunden/1991) von Beginn an geglaubt und sie freigesprochen. Schließlich ist Ottey in ihrer Heimat 1993 in den Rang einer "Botschafterin" erhoben worden.

Bürgert Slowenien die Sprint-Queen ein?
Nun hat Jamaika aber ernsthafte Bedenken sein Aushängeschild zu verlieren. Nachdem es im Vorfeld der Sommerspiele in Sydney mit dem heimischen Verband Probleme gegeben hatte, ist Ottey mit der Verbandsspitze zerstritten. Außerdem wird die Einbürgerung der "Sprintqueen" vom Präsidenten des slowenischen Leichtathletik-Verbandes, dem 34-jährigen Parlamentarier Roman Jakic, engagiert voran getrieben. Der Ministerrat Sloweniens muss über die Einbürgerung entscheiden. Ein "Staatsinteresse" könnte im Fall Ottey durchaus vorliegen, denn ein EM-Start der Jamaikanerin in Wien brächte Sloweniens Sport sicher fette Schlagzeilen.

Karrierende in Wien?
Wie ihr Trainer Srdjan Djordjevic mitteilte, könnte Wien der letzte Start von Ottey bei einem Großereignis sein. Denn nach dem geplanten EM-Start will sie dann im April entscheiden, ob sie ihre Karriere fortsetzen wird oder nicht. "Wenn sie 100 m nicht mehr unter 11 Sekunden laufen kann, dann sollte sie besser aufhören", meinte der Slowene.

30.12.2001 17:28