Denktas besucht erstmals seit 1974 Südzypern

Erstmals seit der Teilung Zyperns vor 27 Jahren ist der türkische Volksgruppenführer Rauf Denktas am Samstagabend in den griechischen Südteil der Mittelmeerinsel gereist, um sich zu einem Abendessen mit dem Präsidenten der Republik Zypern, Glafcos Clerides, zu treffen. Bei ihrem Treffen haben die Führer der griechischen und der türkischen Zyprioten eine Lösung lange umstrittener humanitärer Fragen vereinbart.
Nach einem Bericht des zypriotischen Fernsehens von Samstag, soll das Schicksal griechischer und türkischer Zyprioten untersucht werden, die bei der Besetzung des Nordteils der Insel durch türkische Truppen 1974 verschwunden sind.
"Privates" Abendessen
Die beiden Politiker waren am Samstag in der Residenz von Clerides zum Abendessen zusammengetroffen. Beide gaben danach keine Erklärung ab. Es war der erste Besuch von Denktas im Süden der geteilten Insel seit 1974. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen überquerte Denktas die von UNO-Truppen kontrollierte sogenannte Grüne Grenzlinie in Nikosia. Er erwiderte damit einen Besuch von Clerides am 5. Dezember im türkischen Teil der Hauptstadt Nikosia.
Nach Angaben von Diplomaten diente die als privat bezeichnete Begegnung der Vorbereitung der für den 16. Jänner angesetzten Gespräche über die Zukunft der seit der türkischen Invasion 1974 geteilten Insel. Die Türkei hatte damals mit dem Einmarsch auf den von der damaligen griechischen Militärjunta inspirierten Putsch der griechischen Zyprioten reagiert. Der türkische Teil von Zypern wird nur von der Türkei unter der Bezeichnung "Türkische Republik Nordzypern" anerkannt.
Eine der wichtigsten Fragen sei die Lokalisierung von Massengräbern beiderseits der Grenze zwischen den beiden Inselteilen, berichtete das zypriotische Fernsehen weiter. Die griechischen Zyprioten beschuldigen die Führung der türkischen Zyprioten seit langem, eine unabhängige Untersuchung zu verhindern, die das Schicksal von rund 1.100 seit 1974 als vermisst gemeldeten griechischen Zyprioten aufklären könnte. Eine Einigung wäre eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme.
Vertreter der griechischen Volksgruppe protestierten
Wie das zypriotische Fernsehen berichtete, verstärkte die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Residenz von Clerides. Vertreter der griechischen Volksgruppe protestierten gegen die seit 1974 andauernde Besetzung des Nordens der Insel durch türkische Truppen. Auf dem Hauptplatz der Stadt demonstrierten rund 300 Menschen gegen den Besuch, vor der Residenz des Präsidenten protestierten weitere 300 Menschen. Zahlreiche Straßen waren vorübergehend gesperrt. Für seine Fahrt zur Residenz von Clerides im Zentrum Nikosias benutzte Denktas eine Ausweichroute.
Zypern ist seit 1974 nach einer türkischen Militärintervention geteilt, der türkische Nordteil ist völkerrechtlich aber nicht anerkannt. Die Trennungslinie zwischen dem Norden und dem Süden wird von UNO-Blauhelmen überwacht. Die Republik Zypern ist aussichtsreicher EU-Beitrittskandidat. Eine Lösung der Zypern-Frage würde den Beitritt beschleunigen. Die EU jedoch macht ihn nicht von einer Lösung der Frage abhängig.
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