Donnerstag, 27. Dezember 2001

Warten auf Zinnis Rückkehr

Mehr als tausend Palästinenser und ausländische Unterstützer haben am Samstag im Westjordanland friedlich für ein Ende der israelischen Okkupation demonstriert. In Nablus versammelten sich rund tausend Menschen vor einer israelischen Straßensperre. Als Soldaten Warnschüsse abgaben, zog sich die Menge zurück.

In Ramallah, wo der palästinensische Präsident Yasser Arafat faktisch unter Hausarrest steht, demonstrierten rund hundert Personen, die meisten von ihnen westliche Pazifisten. An einem leeren Wachposten der israelischen Armee hissten sie eine palästinensische Fahne und rissen Sperrzäune nieder. Das Militär ging mit Tränengas gegen die Kundgebungsteilnehmer vor. In Beit Umar, südlich von Bethlehem, verteilten israelische Pazifisten Lebensmittel unter den palästinensischen Dorfbewohnern.

US-Außenminister Colin Powell hat am späten Freitagabend mit Arafat und dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon telefoniert. Dabei habe er die von Arafat eingeleiteten Schritte gegen die Gewalt palästinensischer Extremisten "ermutigend" genannt, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA. Nach Angaben des israelischen Rundfunks vom Samstag sprach Powell auch mit Sharon. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Die palästinensische Führung hat die Rückkehr des US-Vermittlers Anthony Zinni in den Nahen Osten gefordert. Zinni hatte seine Vermittlungsbemühungen kurz vor Weihnachten abgebrochen und war in die USA zurückgereist. Nach palästinensischen Angaben versicherte Powell Arafat, dass Zinni nach den Feiertagen in die Region zurückkehren werde. Einen genauen Termin wollte er jedoch nicht nennen. Am Dienstag wird der norwegische Außenminister Jan Petersen zu einer Vermittlungsmission in Israel und Palästina erwartet.

27.12.2001 20:00