Riess-Passer: "Katastrophale Optik"

Verbittert zeigt sich Noch-ORF-Generalintendant Gerhard Weis in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "News" über die Vorgänge rund um die Wahl Monika Lindners zur neuen ORF-Generaldirektorin. Eine Regierung dürfe sich keine genehme Rundfunkführung wünschen, denn "nur in Diktaturen sind Regierungen mit dem Rundfunk zufrieden", so Weis. Vizekanzlerin Susanne-Riess-Passer hingegen spricht von einer "katastrophalen" Optik nach der Intendanten-Bestellung.
"Ich weiß nicht, ob man über den ORF jetzt sagen kann, dass er ein Regierungsfunk ist, aber es wurde sicher ein entscheidender Schritt in diese Richtung gemacht", so Weis.
Auf die Frage, ob der entparteipolitisierte neue ORF mit der Wahl Lindners eine politische Entscheidung gefällt habe, antwortet Weis: "Natürlich haben sich diverse Freundeskreise getroffen, und offenbar hat es auch schlimmste Vergatterung der unabhängigen Stiftungsräte gegeben." Ein Stiftungsrat habe ihm, Weis, erklärt: "Das Ganze ist grauslich." Insgesamt sei es auffällig, "dass jene Kandidaten, die nie im politischen Zusammenhang genannt wurden, keine Chance hatten".
Zur Personalliste sagt der ORF-GI, diese sei ihm bekannt, "weil sie mir schon vor zwei Jahren vorgelegt wurde". "Ich habe sie aber abgelehnt, und das hat dann ja auch zum großen Bruch mit der Regierung geführt", so Weis. Die heutige Liste habe sich aber noch erweitert. "Da stehen Leute drauf, wo man sich an den Kopf greifen muss", so Weis, ohne allerdings konkrete Beispiele zu nennen.
Persönliche Bemerkung des GIs, der als Mentor Lindners gilt: "Meine Frau wirft mir vor, dass ich zu sehr Hirnmensch bin. Jetzt habe ich bemerkt, dass ich ein Gemüt habe. Und das war ein Schlag ins Gemüt, der ohne jede Vorwarnung kam".
Lindner bekräftigt dazu gegenüber "News", ihre Loyalität sei ernst gemeint gewesen. Die Entscheidung doch anzutreten, habe sie sich sehr gut überlegt. "Ich habe sie dann als Chance für den ORF, aber auch durchaus für Frauen gesehen." Befragt zu ihrem künftigen Umgang mit Interventionen hält die neue ORF-Generaldirektorin fest: "Intervention ist ja a priori noch nichts Schlechtes. Nur wenn sie ungerechtfertigt ist, muss man entsprechend handeln, und wenn sie gerechtfertigt ist, muss es auch Konsequenzen geben." Das angeblich paktierte Personalpaket bezeichnete Lindner als "Tatarenmeldungen und Gerüchte".
Nach ORF-Wahl: Optik für Riess-Passer "katastrophal"
Als "katastrophal" bezeichnete Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (F) in der jüngsten Ausgabe von "News" die Optik der Bestellung der neuen ORF-Generaldirektorin Monika Lindner. "So ist offensichtlich die Realität in Österreich. Aber das bedeutet für mich nur, dass das Projekt Entparteipolitisierung noch nicht abgeschlossen ist", resümiert die Vizekanzlerin. Zu Ende gebracht werden müsste das Projekt von der Generaldirektorin, das sei nicht Sache der Politik.
Die Schuld an der schlechten Optik sieht Riess-Passer weniger bei der Politik als bei den Medien. "Es waren doch die Medien, die dauernd jeden Kandidaten einer Partei zugeordnet und damit desavouiert haben", sagte die Vizekanzlerin. Es sei "unglaublich", mit welchen Methoden im Vorfeld der Wahl gearbeitet worden sei, "wieviel menschliche Niedertracht da im Spiel war".
Auf die neue Generaldirektorin komme nun viel Arbeit zu, "die Leute im ORF wieder zu motivieren und mit den Bespitzelungen, Schleimereien und Verdächtigungen aufzuräumen." Jeder, der gegen Weis anzutreten bereit gewesen sei, sei sofort "madig gemacht" worden. "Deshalb wäre mir ursprünglich auch jemand lieber gewesen, der von außen gekommen wäre und mit dem man diese Spiele nicht hätte spielen können", sagte die Vizekanzlerin. Dass Personalpakete gedealt worden seien, verneinte Riess-Passer gegenüber "News".
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