Mittwoch, 26. Dezember 2001

Fontaine prangert Behandlung Arafats an

Die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Nicole Fontaine, hat Israel wegen des gegen den palästinensischen Präsidenten Yassir Arafat verhängten Reiseverbots ungewöhnlich scharf kritisiert. "Das ist ein schwerer Verstoß gegen das heilige Recht auf Religionsfreiheit (...) und gegen alles, was Weihnachten für Christen bedeutet", hieß es in einer Stellungnahme der französischen Christdemokratin am Mittwoch in Brüssel.

Sie bedauere zutiefst, dass die israelische Regierung die Teilnahme Arafats an der diesjährigen Mitternachtsmesse in Bethlehem verhindert habe, betonte Fontaine. Die Europa-Parlamentspräsidentin warf der Regierung von Premier Ariel Sharon vor, die Religionsfreiheit einzuschränken, um politischen Druck auszuüben. Damit beschreite sie "einen Weg, unter dem gerade die jüdische Glaubensgemeinschaft mehr als alle anderen und manchmal so furchtbar während der vergangenen Jahrhunderte gelitten hat".

"Diese provokative Entscheidung dient weder dem Kampf gegen den Terrorismus, der Sicherheit Israels noch der notwendigen Rückkehr zum Friedensdialog", meinte Fontaine. Gleichzeitig versicherte sie dem israelischen Volk die tiefe Solidarität der Europäer vor dem Hintergrund der palästinensischen Selbstmordanschläge.

Die israelische Regierung hat Arafat in Ramallah im Westjordanland unter Hausarrest gestellt. Arafat könne die Stadt erst dann verlassen, wenn er die Mörder des israelischen Tourismusministers Rehavam Zeevi festnehmen lasse, hieß es. Die Regierung hielt das Verbot trotz massiver internationaler Appelle und Kritik auch aus den eigenen Reihen aufrecht.

26.12.2001 13:40