Langjährige Haftstrafen für Mitangeklagte

Ein russisches Gericht hat den tschetschenischen Rebellenführer Salman Radujew wegen Terrorismus' und Mordes zu lebenslanger Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Das Gericht in der dagestanischen Hauptstadt Machatschkala befand Radujew am Dienstag zusätzlich für schuldig, Geiseln genommen und eine illegale bewaffnete Organisation gebildet zu haben.
Drei Mitangeklagte erhielten Haftstrafen zwischen fünf und 15 Jahren. Die Verteidigung kündigte Berufung an.
Der russische Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow kündigte ähnliche Verfahren für die nahe Zukunft an. Seit der ersten russischen Invasion in der Kaukasusrepublik vor sieben Jahren ist Radujew allerdings der einzige verhaftete ranghohe Befehlshaber der Rebellen. Ustinow übernahm persönlich die Anklage und unterstrich damit die Bedeutung, die die Regierung dem Prozess gegen Radujew zumaß.
International bekannt wurde der Rebellenführer Anfang 1996 mit dem Überfall auf ein Krankenhaus in der südrussischen Stadt Kisljar. Bei der anschließenden Geiselnahme und Flucht wurden 78 Menschen getötet. Radujew wurde im März vergangenen Jahres verhaftet. Er erklärte während des Verfahrens, er habe in Kisljar nur die Befehle des damaligen tschetschenischen Präsidenten Dschochar Dudajew ausgeführt.
Das Gericht entsprach mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Mitangeklagten, der ehemalige tschetschenische stellvertretende Ministerpräsident Turpal-Ali Atgerijew sowie Aslanbek Alchasurow und Chusein Gaisumow erhielten 15, acht und fünf Jahre Haft. Radujew ist in Russland weitaus bekannter als in Tschetschenien, wo andere Kommandanten wie Schamil Bassajew mehr Anhänger haben. Atgerijew spielte beim Kampf der Rebellen eine zentrale Rolle, er wurde jedoch verdächtigt, mit der russischen Regierung zusammenzuarbeiten.
"Ich bin schon drei Mal gestorben, ich kann mein Leben im Gefängnis verbringen, ich bedaure nichts", sagte Radujew kurz vor der Urteilsverkündung.
Die Kämpfe in Tschetschenien dauerten unterdessen an. Innerhalb von 24 Stunden wurden dabei sechs russische Einsatzkräfte getötet, wie aus Kreisen der prorussischen Regierung verlautete. Die tschetschenischen Rebellen hatten die russischen Truppen 1996 nach einem 20-monatigen Krieg aus der Kaukasusrepublik vertrieben. Die Streitkräfte kehrten im Herbst 1999 zurück und eroberten Tschetschenien nach monatelangen heftigen Kämpfen.
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