Mittwoch, 26. Dezember 2001

Zwischen Apathie und Kandidatenvielfalt

Sambias Bevölkerung steht zum Jahresende ein neuer Feiertag in Aussicht. Direkt nach Weihnachten, am 27. Dezember, müssen 2,5 Millionen Wahlberechtigte in dem afrikanischen Staat einen neuen Präsidenten wählen und über die Zusammensetzung von Parlament und Stadträten entscheiden.

Damit alle Bürger ausreichend Muße haben, hat das nach zwei Amtsperioden scheidende Staatsoberhaupt Frederick Chiluba den Wahltag kurzerhand zum Feiertag erklärt.

Elf Kandidaten bewerben sich um das höchste Amt im Staate - ein Rekord seit der Unabhängigkeit des Landes von britischer Kolonialherrschaft 1964. Der Kandidaten-Vielfalt steht jedoch eine ebenfalls rekordverdächtige Apathie der Wähler gegenüber.

Zwei Wochen vor der Wahl hatten mehr als 600.000 Wähler ihre Stimmkarten noch immer nicht abgeholt. "Sambia wird die geringste Wahlbeteiligung seit 1963 haben, wenn nicht noch etwas Dramatisches geschieht", warnte bereits Alfred Zulu von Sambias Unabhängigem Überwachungs-Team (ZIMT), das gemeinsam mit ausländischen Beobachtern den Verlauf der Wahl analysiert. Anders als im Nachbarstaat Simbabwe, wo Gewalt den Wahlkampf überschattet, wirkte Sambias Kandidaten-Kür in der Tat beschaulich. Daran änderten auch die gelegentliche Beschimpfung politischer Gegner oder Gerüchte über den Missbrauch von staatlichen Einrichtungen durch die regierende MMD-Partei kaum etwas.

Bis auf zwei Ausnahmen sind alle Kandidaten frühere Mitarbeiter von Präsident Chiluba, dessen Bewegung für Mehrparteien-Demokratie (MMD) 1991 die Regierungsgeschäfte von dem 28 Jahre lang regierenden Gründer-Präsidenten Kenneth Kaunda übernahm. In dem rohstoffreichen, aber dennoch bitterarmen Land sind drei der Bewerber laut eigener Erklärung Millionäre. Fünf Betriebe und 23 Fahrzeuge im Wert von 34 Milliarden Kwacha (rund 8,1 Mio Euro) gab Ben Mwila, Kandidat der Sambischen Republikaner-Partei, auf die Frage nach seinem Vermögen an. Anderson Mazoka von der Vereinigten Partei für Nationale Entwicklung wurde auf 10,1 Milliarden Kwacha (2,1 Mio) veranschlagt, Anwalt Levy Mwanawasa auf 6 Milliarden Kwacha (1,2 Mio).

Mwanawasa von der MMD war einst Stellvertreter Chilubas. Der hatte ihn erst als Kandidaten nominieren lassen, nachdem sein eigener Wunsch nach einem verfassungswidrigen dritten Mandat am Widerstand der Opposition gescheitert war. Als Vertreter der Regierungspartei genießt Mwanawasa aber Favoriten-Status. Sein aussichtsreichster Herausforderer ist Christon Tembo, Chef von Sambias jüngster und stärkster Oppositionspartei Forum für Demokratie und Entwicklung (FDD). "Wir stellen die nächste Regierung", meint er siegesgewiss.

Zentrales Thema des Wahlkampfs war die Bekämpfung der chronischen Armut im Lande, die durch überstürzte Marktöffnung, Aids sowie eine Versorgungskrise noch verschärft wird. Seit Überschwemmungen weite Teile des Landes in Mitleidenschaft gezogen haben, ist das Hauptnahrungsmittel Mais knapp und für arme Bevölkerungsschichten fast unerschwinglich geworden. Deutschland hat als erstes auf Sambias Hilferufe reagiert und dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) 4,2 Millionen Mark (2,1 Mio Euro) für den Kauf von 4400 Tonnen Mais aus den Nachbarländern zur Verfügung gestellt.

26.12.2001 11:04