Anstatt Armeen soll es künftig Korps geben

Der oberste jugoslawische Verteidigungsrat hat am Mittwoch die Umbildung der Streitkräfte beschlossen. Die bestehenden drei Armeen sollen zu Gunsten von Korps aufgelöst werden. Auf Vorschlag des Generalstabs soll auch die Zahl der Generäle um ein Drittel abgebaut werden, heißt es in einer Aussendung des Militärkabinetts des jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica nach der heutigen Sitzung des obersten Verteidigungsrates.
Das jugoslawische Militär hat zur Zeit 96 Generäle. Die Mitglieder des obersten Verteidigungsrates sind neben Kostunica auch die Präsidenten Serbiens und Montenegros, Milan Milutinovic und Milo Djukanovic.
Milosevics Generalstabschef bleibt im Amt
Im Konflikt um die Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher hat der jugoslawische Staatspräsident Vojislav Kostunica einen Teilerfolg erzielt. Der Oberste Verteidigungsrat verweigerte unter seinem Vorsitz am Mittwoch eine Abstimmung über die Entlassung von Generalstabschef Nebojsa Pavkovic, der dieses Amt bereits unter Slobodan Milosevic inne hatte. Pavkovic, der seine Bereitschaft erklärt hat, sich bei einer entsprechenden Belgrader Weisung dem Den Haager Kriegsverbrechertribunal zu stellen, bleibt damit weiter im Amt.
Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic dringt dagegen auf eine Neubesetzung des ranghöchsten Militärpostens. Zwischen ihm und Kostunica ist es seit der Auslieferung Milosevics nach Den Haag vor einem halben Jahr zum Zerwürfnis gekommen: Während Djindjic am Mittwoch ankündigte, alle wegen Kriegsverbrechen angeklagte Serben sollten im kommenden Jahr vor das Haager Tribunal gestellt werden, lehnt Kostunica das internationale Gericht als voreingenommen ab.
Einige Angeklagte leben wie der weiter amtierende serbische Präsident Milan Milutinovic in Belgrad. Andere halten sich vermutlich in der bosnisch-serbischen Republik auf, die einen Teil von Bosnien-Herzegowina bildet. Der Präsident des bosnischen Parlaments, Sejfudin Tokic, kritisierte am Mittwoch neben den bosnischen Serben auch die NATO, dass mutmaßliche Kriegsverbrecher sechs Jahre nach Anklageerhebung weiter in Freiheit seien. Dazu zählen insbesondere die politischen und militärischen Führer der bosnischen Serben im Krieg gegen Moslems und Kroaten, Radovan Karadzic und Ratko Mladic.
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