Heute erteilt Papst Segen "Urbi et Orbi"

In einer von Terrorangst überschatteten Mitternachtsmette hat Papst Johannes Paul II. in der Weihnachtsnacht zum Sieg über das Böse aufgerufen. Das 81-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche beklagte in dem mit Gläubigen aus aller Welt vollbesetzten Petersdom in Rom Kriege und Armut. "Die andauernden Kriege in verschiedenen Regionen der Welt, die sozialen Spannungen und die harten Bedingungen, unter denen viele Menschen leben müssen", bestürzten und peinigten ihn, sagte der Papst in seiner Predigt.
Juden, Moslems und Christen rief er dazu auf, gemeinsam für den Frieden zu kämpfen, "auf dass der Name Gottes niemals zum Töten benutzt werde". Alle suchten nach einer Antwort, "die uns beruhigt", fuhr der Papst weiter fort.
"Jeder von uns ist aufgerufen, das Geheimnis der Bosheit zu besiegen, indem wir uns zu Zeugen der Solidarität und zu Baumeistern des Friedens machen", fügte er hinzu. Der an der Parkinson'schen Krankheit leidende Papst machte bei der Messe einen relativ guten gesundheitlichen Eindruck. Seine Worte waren gut zu verstehen.
Zu Beginn der Messe war er vor tausenden Gläubigen aus aller Welt auf einem rollenden Podest zum Altar gebracht worden. Viele Gläubige, die in der Basilika keinen Platz gefunden hatten, verfolgten vom Petersplatz aus das Hochamt. Der Präfekt der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger, und der vatikanische Staatssekretär Angelo Sodano zelebrierten gemeinsam mit dem Papst die eineinhalb Stunden lange Messe.
Die italienische Polizei war für die Weihnachtsfeiern des Papstes in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden. Der Petersplatz und der Petersdom wurden strengstens bewacht, da Terroranschläge islamischer Terroristen befürchtet wurden. Zahlreiche Polizisten in Uniform und Zivil hatten sich deshalb auch unter die Gläubigen gemischt.
Am Heiligen Abend hatte Johannes Paul II. das Friedenslicht am Zimmer seines Arbeitszimmers am Petersplatz entzündet. In den vergangenen Wochen hatte er sich wiederholt extrem besorgt um den Weltfrieden geäußert und den Terrorismus als Sünde gegen Gott verurteilt. Heute will Johannes Paul II. von der Loggia des Petersdomes aus den in alle Welt übertragenen Weihnachtssegen "Urbi et Orbi" ("Der Stadt und dem Erdkreis") spenden.
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