Freitag, 21. Dezember 2001

2.300 Jobs sind vorerst geretten

Der deutsche Ferienflieger LTU ist vorerst gerettet: Nach stundenlangen Verhandlungen einigten sich Anteilseigner, Banken und das Land Nordrhein-Westfalen in der Nacht auf Freitag auf ein Rettungspaket. Die 2.300 Beschäftigten der durch die Swissair-Pleite ins Trudeln geratenen Fluglinie können vorerst einmal aufatmen.

Die Pleite sei abgewendet, sagte eine Regierungssprecherin in Düsseldorf. Hätte es bis Freitagmittag keine Einigung gegeben, hätte LTU Insolvenz anmelden müssen. Damit wären die Flüge der Gesellschaft sofort bedroht gewesen, also auch der Weihnachtsverkehr. Die zweitgrößte Ferienfluggesellschaft Deutschlands kann nach Angaben aus dem Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen heute noch den nötigen Kredit erhalten.

Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, wird der geplante Kredit in Höhe von 240 Mill. DM (122,7 Mill. Euro/1,69 Mrd. S) nun nur noch von der WestLB und der Stadtsparkasse Düsseldorf bereit gestellt. Das Land sichert die Darlehen mit einer Bürgschaft ab. LTU-Minderheitsaktionär Rewe schießt zudem nochmals Geld zu. Die Dresdner Bank dagegen stieg aus.

Die Verhandlungen waren am Donnerstag kurzfristig ins Stocken geraten. Nur wenige Stunden nach der Zustimmung der EU für eine Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen über 120 Mill. Euro hatte es nach Angaben der Düsseldorfer Staatskanzlei neuen Beratungsbedarf gegeben.

Die Bürgschaft war der wichtigste Teil eines Mitte November verabschiedeten Rettungsplans für die LTU. Damals hatten sich die Westdeutsche Landesbank, die Stadtsparkasse Düsseldorf sowie die Dresdner Bank zu gleichen Teilen verpflichtet, der LTU Kredite zu gewähren - unter der Bedingung einer Landesbürgschaft in voller Höhe von 120 Mill. Euro.

Die Stadtsparkasse Düsseldorf hatte am Donnerstag mitgeteilt, sie könne den 49,9-prozentigen Swissair-Anteil an LTU nicht treuhänderisch verwalten. Die Ankündigung kam nach Angaben aus Bankenkreisen nicht unerwartet. Ein Sprecher der Sparkasse hatte den Schritt damit begründet, dass das Institut bei der Sanierung der LTU keine Doppelrolle spielen könne - also Treuhänder und Kreditgeber zugleich.

Europäische Kommission genehmigte Rettungsbeihilfe
Am Donnerstagnachmittag hatten die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission in Brüssel erwartungsgemäß die Rettungsbeihilfe des Landes genehmigt. Die Hilfe sei gerechtfertigt, weil direkt oder indirekt 4.500 Arbeitsplätze bei der LTU in Gefahr seien, hatte es zur Begründung geheißen.

Die LTU war in finanzielle Bedrängnis geraten, nachdem die Swissair zahlungsunfähig geworden war. Die Mitarbeiter der LTU hatten sich nach langem Tauziehen mit der Gesellschaft auf einen Sanierungsplan geeinigt. Durch Lohnkürzungen und Einschnitte bei Sachkosten will die LTU bis 2004 rund 400 Mill. DM sparen.

21.12.2001 09:50