Donnerstag, 20. Dezember 2001

Aufschwung im 2. Halbjahr 2002 erwartet

Der reale Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im heurigen Jahr von 1,1 Prozent ist der niedrigste Wert seit 1993. Mit einem Aufschwung rechnet das Wifo nicht vor dem späten Frühjahr 2002. Würde sich der Aufschwung um nur ein weiteres Quartal verzögern, könnte das Wirtschaftswachstum 2002 um rund einen halben Prozentpunkt niedriger als in der heutigen Prognose ausfallen.

Impulse für eine Konjunkturerholung erwarten die Wirtschaftsforscher von den USA sowie von einer Entlastung der Haushalte und der Unternehmen durch einen Rückgang der Energiepreise. Im 2. Halbjahr 2002 könnte laut Wifo ein kräftiger Aufschwung einsetzen, der gegen Jahresende Wachstumsraten des BIP von etwa 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erlauben werde.

In den Jahren 2000 und 2001 wuchs Österreichs Wirtschaft laut Wifo um etwa einen halben Prozentpunkt langsamer als die EU-Wirtschaft. 2002 sei mit einem neuerlichen Wachstumsrückstand zu rechnen. Gegenüber dem wichtigsten Handelspartner Deutschland expandiere das BIP in Österreich rascher, allerdings bilde Deutschland das "Schlusslicht" in der EU. In der EU dürfte die Wachstumsrate 2002 mit 1,5 Prozent etwa gleich hoch sein wie 2001 (1,6 Prozent). Für Deutschland würden dagegen nur noch 0,5 Prozent für 2001 bzw. 0,8 Prozent für 2002 prognostiziert.

Exportschwäche wird bis zum Früjahr anhalten
Die Schwäche der österreichischen Exporte, die im Vorjahr noch um 12,2 Prozent gewachsen waren, dürfte sich von Herbst 2001 bis ins kommende Frühjahr erstrecken und durch den Nachfrageausfall wichtiger Handelspartner bestimmt sein, während die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Lieferanten gut sei. Die Sachgütererzeugung werde wegen der Schwäche im Warenexport 2002 wie auch heuer (plus 4 bis 5 Prozent) nur um etwa 1,5 Prozent zunehmen.

Von der Inlandsnachfrage erwartet das Wifo keine wesentlichen Impulse. In der Bauwirtschaft schrumpft die Produktion heuer um 3 Prozent und wird 2002 trotz des "Konjunkturpakets" der Bundesregierung weiter um rund ein Prozent zurückgehen, um sich dann 2003 zu stabilisieren. Auch der öffentliche Konsum geht real zurück, wogegen die verfügbaren Realeinkommen 2002 um etwa 1,5 Prozent wachsen werden. Das IHS verweist angesichts der schwachen Entwicklung der Realeinkommen auf eine Rücknahme der Sparquote um einen Prozentpunkt 2001. 2002 werde die Sparquote stagnieren und 2003 wieder das Niveau von 2001 erreichen.

Arbeitlosenrate wird 2002 steigen
Eine markante Verschlechterung erfährt der Arbeitsmarkt. Für 2002 rechnet das Wifo mit einem Rückgang der Zahl der unselbstständig Beschäftigten um 5.000. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresdurchschnitt 221.000 erreichen und um 19.000 steigen. Das entspreche einer Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent aller Erwerbspersonen (Eurostat) bzw. 6,6 Prozent der unselbständigen Erwerbspersonen (österreichische Rechnung). Das IHS rechnet für 2002 mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 10.500 Personen und einer Quote von 6,3 Prozent.

Beim Budgetdefizit, das die wirtschaftspolitische Diskussion seit längerer Zeit bewegt, geht das Wifo "unter den gegebenen Annahmen" von einer Neuverschuldung von knapp 800 Mill. Euro bzw. 0,8 Prozent des BIP aus. 2003 sei ein ausgeglichener Finanzierungssaldo möglich, wenn man keine Budgetbelastung durch eine Steuerreform unterstelle. Das IHS erwartet sowohl für 2002 als auch 2003 ein "Nulldefizit", wie es auf Grund der deutlich höher als erwartet ausgefallenen Steuereinnahmen bereits 2001 erreicht werde.

20.12.2001 13:54