Donnerstag, 20. Dezember 2001

VKI meldet erhöhtes Beschwerdeaufkommen

Die Österreichische Post AG kämpft mit zu langen Laufzeiten in der Zustellung. Während das Infrastrukturministerium der Post künftig die Zustellung von 95 Prozent der Sendungen binnen einem Tag vorschreiben will, sieht die Realität derzeit anders aus: Tatsächlich liegt die Rate je nach Jahreszeit derzeit noch zwischen 70 und 85 Prozent. Viele Konsumenten beklagen starke Verspätungen bei der Zustellung von Briefen und Zeitungen.

Laut Rechnungshof entgingen der Post wegen zu langer Laufzeiten im Jahr 1999 Vergütungen von 75 Mill. S (5,45 Mill. Euro). Starke Verzögerungen gibt es teilweise auch bei der Zustellung von Post, die aus dem Ausland nach Österreich versandt wurde. Dafür zahlt die Österreichische Post auf Grund internationaler Vereinbarungen jährlich sogar bis zu 200 Mill. S Pönale, hieß es aus dem Verkehrsministerium.

Aus Sicht der Post handelt es sich dabei allerdings nicht um Pönalezahlungen, sondern um "Mindereinnahmen": Je weiter die Post den gesetzten Benchmark verfehle, desto weniger müssten die internationalen Partner an die Österreichische Post zahlen. Die 200 Mill. S wollte die Post unter Berufung auf interne Zahlen nicht kommentieren, nur so viel: Von den 17 Staaten, die den Vertrag mit dem Namen "Reims II" unterzeichnet haben - neben den EU-Staaten ausgenommen Niederlande auch Island, Norwegen und die Schweiz - erfüllten nur sechs die Laufziele, so ein Sprecher.

Probleme sehen Konsumenten auch im Inlandsbriefverkehr. Laut dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) gibt es immer wieder Beschwerden, dass die Zustellung nicht funktioniert. Seit Bekanntgabe von Rationalisierungsmaßnahmen bei der Post habe sich das Beschwerdeaufkommen weiter erhöht, sagte Renate Wagner vom VKI.

Bei wirklich kritischen Sendungen rät die Konsumentenschützerin den Griff zum eingeschriebenen Brief. Dann bestehe zumindest ein Anspruch auf Schadenersatz. Ansonsten empfiehlt Wagner den Gang zum "Post-Ombudsmann", der in Streitfällen eine einvernehmliche Lösung finden soll.

Dass es in diesen Tagen auf Grund des hohen Sendevolumens zu "kleinen Problemen kommt", kann allerdings auch Post-Ombudsmann Hubert Stadelbauer nicht verhindern. Immerhin befördere die Post derzeit etwa 14 Millionen Sendungen pro Tag, das Drei- bis Vierfache gegenüber dem herkömmlichen Sendevolumen, räumt Stadelbauer ein. Aus Sicht des Post-Betriebsrats ist das hohe Sendevolumen zu Ende des Jahres mit dem derzeitigen Einsatz von Personal kaum zu bewältigen. "Unsere Bediensteten stehen am Rande ihrer Belastbarkeit", sagte Martin Palensky vom Zentralausschuss. Dennoch plant die Post auch nächstes Jahr den Abbau von 680 Mitarbeitern in der Distribution und Logistik. Für den Betriebsrat ist allerdings unklar, wo man diese Mitarbeiter einsparen will. Schon jetzt arbeiteten rund 400 Leihmitarbeiter (Stand: Oktober 2001) für die Post.

Laut Ombudsmann ist die Post insgesamt aber bemüht, "ihr Dienstleistungsangebot zu optimieren. Schließlich kämpfe die Post "in vielen Bereichen schon ums Leiberl", sagt der Post-Ombudsmann.

Ombudsmann der Österreichischen Post AG
1010 Wien, Postgasse 8
Telefon: 0800/206020
e-Mail: ombudsmann@post.at

20.12.2001 13:19