Mittwoch, 19. Dezember 2001

Erste Etappe soll 20 Mill. Euro bringen

Die Senkung der Strom-Netztarife, die bis Mitte 2002 ein weiteres Einsparpotenzial bei den Stromkosten in Höhe von 145 Mill. Euro (2 Mrd. S) birgt, startet nun. Im ersten Schritt geht es um die Grazer Stadtwerke, die Verbund-Netztochter Austrian Power Grid (APG) und das Hochspannungsnetz der steirischen Steweag, kündigte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) am Mittwoch in einer Pressekonferenz an.

Damit können rund 20 Mill. Euro realisiert werden. Details gibt diesen Freitag der Stromregulator E-Control bekannt, der mit der Überprüfung der Netztarife beauftragt ist.

Vom Ziel, durch die völlige Strommarktöffnung zu Einsparungen von 13 Mrd. S zu kommen, werde bis Mitte kommenden Jahres somit der größte Teil realisiert sein. Bisher seien es 9 Mrd. S, dazu kämen noch die rund 2 Mrd. S aus den niedrigeren Netztarifen.

Änderungen soll es kommendes Jahr bei Ökostrom-Zuschlägen geben, die derzeit länderweise geregelt sind und in Hinkunft österreichweit einheitlich festgesetzt werden sollen. Der Anstoß müsse dabei von den Ländern kommen, betonte Bartenstein heute. Er sei optimistisch, dass es Kompromissvorschläge für eine vernünftige Lösung geben werde. Wenn alles gut gehe, könnte die dafür notwendige Novelle des Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetzes (ElWOG) im Juni kommenden Jahres im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden, skizzierte Bartenstein den Zeithorizont.

Nach wie vor offen ist eine österreichische Entscheidung über die Stranded Costs für die Wasserkraft. Die EU-Kommission hat in diesem Bereich 6,3 Mrd. S genehmigt, von denen der weitaus größte Teil auf den Verbund entfällt. Eine Evaluierung hängt dabei vom Fortschritt der Vertragsverhandlungen zwischen Verbund und dem deutschen Energieriesen E.ON über die geplante Zusammenlegung der Wasserkraft in der European Hydro Power (EHP) ab, an der der Verbund 63 Prozent und die E.ON 37 Prozent halten soll. Über diesen Wasserkraft-Deal soll im März 2002 auch die Verbund-Hauptversammlung entscheiden.

Für das Kohle-Kraftwerk Voitsberg, das zu 70 Prozent dem Verbund, zu 15 Prozent der Kelag, zu 10 Prozent der Steweag und zu 5 Prozent der Tiwag gehört, sind insgesamt 1,8 Mrd. S an Stranded Costs genehmigt. Bisher wurden 241 Mill. S an die Begünstigen ausgezahlt, so Bartenstein. Für die restlichen 579 Mill. S sollen im Jänner 2002 die entsprechenden Bescheide ausgestellt werden.

Die Kunden müssen die Stranded-Costs-Beiträge für Voitsberg an ihren Versorger bereits abliefern. Diese geben sie aber offenbar nur teilweise weiter. Der Verbund spricht in diesem Zusammenhang von einem "Körberlgeld", das sich manche EVU durch die Nicht-Ablieferung der bereits eingehobenen Beiträge verdienen können.

19.12.2001 14:38