Der ÖIAG-Boss im NEWS-Talk

ÖIAG-Boss Johannes Ditz muss mit Jahresende den Vorstandsvorsitz zurücklegen. Im NEWS-Talk spricht er darüber, warum er wirklich gehen musste. Und was er von Schüssel, Grasser & Prinzhorn hält.
NEWS: Sie müssen den ÖIAG-Vorstandsvorsitz mit Jahresende vorzeitig zurücklegen. Fühlen Sie sich als Polit-Opfer?
Ditz: Mir gegenüber ist von verschiedenen Leuten ganz offen kommuniziert worden, dass ich als Relikt der Großen Koalition gesehen werde und daher aus Sicht der FPÖ als nicht tragbar für diese zentrale Funktion gelte. Das ist Uraltdenken, die Sozialisten hätten das in den fünfziger Jahren nicht schlechter machen können. Und die ÖVP hat sich richtigerweise unter dem Titel Entpolitisierung enthalten. Egal, ich glaube, ich war operativ sehr erfolgreich und wäre gerne länger geblieben.
NEWS: Wer hat Druck gemacht?
Ditz: Für einen Teil der FP-Fraktion war es offenbar nicht denkbar, dass ich ÖIAG-Chef bleibe. Und solange es die Achse zum Finanzminister gibt und der wiederum als Eigentümervertreter der Republik agiert, gibt es natürlich so etwas wie ein politisches Durchgriffsrecht. Mir hat jedenfalls mein Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel erklärt, dass die Mehrheit der Kapitalvertreter einen Wechsel wollen. Und das war zu akzeptieren.
NEWS: Gab es direkte politische Interventionen?
Ditz: Ich habe es als großen persönlichen Schmerz erlebt, wenn gesagt wurde, ich wolle meinen Posten retten und sei nur das Vollzugsorgan von Herrn Prinzhorn. In Wahrheit habe ich ihn nie getroffen und mit ihm auch keine Gespräche geführt. Und Finanzminister Grasser habe ich persönlich gesagt, dass ich es nicht für gut halte, wenn er Ratschläge erteilt. Ich habe mich nie unter Druck setzen lassen, auch nicht vom Aufsichtsrat der ÖIAG.
NEWS: Die Neubesetzung des AUA-Vorstands und der Versuch, die Telekom-Spitze auszutauschen, war also alleine Ihre Entschedung?
Ditz: Spätestens als über der Lauda Air ein Insolvenzverfahren schwebte, war wohl allen klar, dass der Wechsel an der AUASpitze notwendig war. Die Politik hat sich bloß dieses Themas bemächtigt, es aber nicht initiiert. Bei der Telekom glaube ich, dass Ziele und Ambitionen einfach höher sein müssen.
NEWS: Ihre Zukunftspläne?
Ditz: Ich werde erst einmal ausspannen. Außerdem werde ich das tun, was ich schon immer wollte, mich zumindest einige Monate der Weiterbildung zu widmen. 2002 wird für mich ein Jahr der Neuausrichtung.
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