Montag, 17. Dezember 2001

Auch in Kärnten wird geschlossen

Die Österreichische Post AG macht ernst mit der geplanten Schließung von rund 650 ihrer derzeit noch 2.300 Postämter. "Nach dem Auftrag des Eigentümers (Anm.: des Finanzministeriums) soll das Geschäftsstellenkonzept bis Mitte kommenden Jahres umgesetzt sein", erklärte Post-Generaldirektor Anton Wais am Montag vor Journalisten.

Die Verhandlungen mit der Lokalpolitik werden laut Wais bis Ende dieser Woche abgeschlossen. Bis Mitte März soll dann feststehen welche Postämter durch Post-Partner - Greißler mit Postservice -, welche durch Landzusteller und welche gar nicht ersetzt werden.

Bei der geplanten Schließung der kleineren Postämter ortet Wais mittlerweile auch Verständnis in den Bundesländern. Dass man mit dem Thema Postamtsschließung "keinen Blumentopf gewinnen" könne, sei klar gewesen. Die Kooperation zwischen Post und Wirtschaftskammer beim Konzept der Post-Partner habe aber einen "Wendepunkt" im Verständnis der Länder bewirkt. Salzburg, Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol hätten sich bereits bereit erklärt, einen Teil der Startinvestitionen für Post-Partner zu übernehmen. Er gehe davon aus, dass alle anderen Länder mitgehen werden, so Wais.

Allerdings würden laut Postvorstand nur 100 bis 200 Postämter durch Post-Partner ersetzt werden können. Den Großteil der Versorgung werde man mit Landzustellern - Briefträger, die auch Services eines Postamts anbieten - sicherstellen. Schon jetzt sind rund 4.200 Zusteller mit solchen Zusatzaufgaben betraut. In einzelnen Fällen sollen Postdienstleistungen auch von Gemeindeämtern übernommen werden.

Insgesamt will die Post durch diese Maßnahmen im kommenden Jahr 150 Mill. S (10,90 Mill. Euro), 2003 bereits 300 Mill. S einsparen. Zu Kündigungen soll es dabei zwar nicht kommen, 300 befristete Verträge werden aber nicht verlängert werden, so Wais. Außerdem will die Post auch bei den Urlaubsersatzkräften sparen.

Postamt-Schließungen wird es im ersten Halbjahr 2002 in allen Bundesländern geben, auch in Kärnten, wo Landeshauptmann Jörg Haider (F) Postamtsschließungen vor 2004 mehrfach ausgeschlossen hatte. "Wir behandeln alle Bundesländer gleich. Auch in Kärnten wird es in jenen Gemeinden, wo mit den Bürgermeistern gesprochen wurde, zu Zusammenlegungen von Postämtern kommen", betonte Generaldirektor Wais am Montag.

Grundlage für die Schließungen ist allerdings noch die Universaldienstverordnung (UDVO) des Verkehrsministeriums, welche die künftige Mindestversorgung Österreichs mit Postdienstleistungen festlegt. Wais rechnet mit dem Erlass der Verordnung Anfang kommenden Jahres. Sollte sich der Erlass weiter verzögern und dadurch die Vorgaben des Eigentümers, bis Mitte 2002 das Schließungskonzept umzusetzen, gefährdet werden, will Wais das persönliche Gespräch mit Verkehrsministerin Monika Forstinger (F) führen und danach mit der Umsetzung beginnen.

Bereits Anfang kommenden Jahres will der Post-Vorstand auch mit der Reform des Zustellungssystems beginnen. Die Zahl der Zustellpostämter soll von derzeit 1.830 auf 600 bis 700 reduziert werden. Dabei sollen etwa 700 Mitarbeiter eingespart werden. Dazu kommen noch weitere 140 Mitarbeiter im Verwaltungsbereich. In Summe sollen dadurch nach heuer 1.500 Mitarbeitern 2002 rund 1.000 Mitarbeiter abgebaut werden. Zudem hält der Post-Vorstand an seinen Plänen fest, gemessen am Stand von 1999 bis 2004 6.000 Mitarbeiter abzubauen. Eine Arbeitsstiftung zur Weitervermietung betroffener Mitarbeiter startet Anfang nächsten Jahres.

17.12.2001 14:15