Sonntag, 23. Dezember 2001

Vorweihnachts-Bilanz nicht so rosig wie bisher

Im alpinen Ski-Weltcup sind in dieser Saison bisher knapp die Hälfte aller Rennen bis zu den Olympischen Spielen (8.-24. Februar) absolviert. Das traditionelle ÖSV-Match um die Tickets im Zeichen der Fünf Ringe ist daher noch lange nicht entschieden. Es zeigen sich aber schon einige Tendenzen. Manche könnten für Salt Lake City schon fix ihre Koffer packen, das Gros muss aber auf ein Jänner-Hoch hoffen.

Bei den Damen ist natürlich Weltcup-Leaderin Michaela Dorfmeister das Maß aller Dinge. Die Niederösterreicherin führt die ÖSV-interne Rangliste in Abfahrt und Riesentorlauf mit je zwei Podest-Plätzen an und sollte mit zwei sechsten Rängen auch ihren Super-G-Start sicher haben. Bei Renate Götschl läuft zwar noch nicht alles rund, zumindest in den Speed-Disziplinen und vermutlich in der Kombination wird aber auch sie dabei sein.

Heregger und Schneider in der Abfahrt
Ansonsten tut man sich schon schwerer, will man Olympia-Fahrkarten unter den Christbaum legen. Gute Chancen haben in der Abfahrt mit jeweils aufsteigender Form Selina Heregger und Tanja Schneider, die Tirolerin könnte wie Stefanie Schuster mit je einem dritten Rang wohl auch im Super G dabei sein. Allerdings drängt sich in dieser Disziplin auch Alexandra Meissnitzer auf. Der einzige noch verbleibende preolympische Super G in Cortina wird da wohl entscheiden.

Dorfmeister im Riesentorlauf sicher
Im Gegensatz dazu kann in Riesentorlauf und Slalom noch je fünf Mal gepunktet werden. Im Riesentorlauf haben sich neben Dorfmeister bisher auch Meissnitzer, Obermoser und Heregger empfohlen, im Torlauf haben Christine Sponring und Carina Raich mit ihren Stockerl-Plätzen in Copper Mountain schon sehr gute Karten.

Ohne Eberharter geht nichts
Im Herren-Lager kommt man am Weltcup-Führenden ebenfalls nicht dabei, Stephan Eberharter ist in Abfahrt und Super G bisher klar die österreichische Nummer eins und kommt im Riesentorlauf gleich hinter Benjamin Raich. Dieser muss um seinen Slalom-Start in Utah aber trotz eines sechsten Platzes in Madonna noch bangen, hat der Pitztaler doch auch drei Ausfälle zu Buche stehen. In den vier Jänner-Slaloms wird der Vize-Weltmeister aber vielleicht sein bekanntes Jänner-Hoch ausspielen.

Gute Chancen für Walchhofer in der Abfahrt
Besonders auf sich aufmerksam machten bisher in der Abfahrt Christian Greber und Peter Rzehak sowie mit zwei Podiumsplätzen natürlich auch Michael Walchhofer. In der Kombination wird der Salzburger wohl sicher dabei sein. Die übrigen Abfahrer haben noch in sechs Rennen die Chance zur Qualifikation. Im Super G lässt sich noch nicht viel sagen, fand doch erst einer statt. Allerdings stehen bis zu den Olympischen Spielen auch nur noch zwei an.

Gruber als Super G-Kanditat
Ein heißer Super-G-Kandidat ist Christoph Gruber, der Tiroler drängt sich auch im Riesentorlauf auf. Im Torlauf ist in den kommenden vier Rennen noch viel möglich, nur Aspen-Sieger Mario Matt ist gesetzt. Mit einen klaren Aufwärtstrend drängte sich zuletzt auch der junge Manfred Pranger auf.

Bisher nur ein Sieg bei den Damen
Generell durften sich die ÖSV-Verantwortlichen im bisherigen Saison-Verlauf über sechs Siege freuen. Bei den 13 Herren-Rennen stand Eberharter gleich drei Mal ganz oben, je ein Mal schafften das Raich und Matt. Die Damen sind in den zehn Events seit dem Dorfmeister-Sieg zum Saison-Auftakt in Sölden hingegen noch sieglos. Dafür eroberten die Schützlinge von Cheftrainer Karl Frehsner ein gutes Drittel aller Podest-Plätze (neun von 24), bei den Herren waren's etwas weniger (zwölf von 39).

Vorweihnachts-Bilanz nicht so rosig wie bisher
Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist das aber doch ein Rückschritt, die Zeit der ÖSV-Dominanz ist eindeutig vorbei. Noch vor zwei Jahren machte man sich ja Sorgen, der Weltcup könnte wegen der Inflation an rot-weiß-roten Erfolgen uninteressant werden. Noch im Vorjahr bilanzierte man im Innsbrucker ÖSV-Haus zu Weihnachten mit 14 Triumphen, allerdings in 29 statt wie diesmal 24 Rennen.

Giger sieht es trotzdem positiv
Herren-Cheftrainer Toni Giger zog aber dennoch eine positive Weihnachtsbilanz: "Wir haben ja doch schon in allen Disziplinen gewonnen." Frehsner zeigte sich mit einigen Jungen und neben Dorfmeister auch mit dem sichtlichen Aufschwung der verletzt gewesenen Alexandra Meissnitzer zufrieden. Zum Jammern besteht ja auch wirklich noch kein Grund, im Nationencup haben die ÖSV-Läufer noch immer fast doppelt so viele Punkte wie die verfolgende Schweiz.

23.12.2001 15:17