Dienstag, 18. Dezember 2001

Gute Mannschaftsleistung der ÖSV-Läuferinnen

Vor einem Jahr gab es in St. Moritz die Festspiele der Österreicherinnen. Doch der alpine Ski-Weltcup ist eben kein Wunschkonzert und so blieb eine Wiederholung am Freitag aus. Die ÖSV-Damen fuhren im WM-Test für 2003 mannschaftlich zwar gut, auf das Podest kletterten aber andere. Die Schweizerin Sylviane Berthod gewann ihr erstes Weltcup-Rennen und verhinderte mit 0,05 Sekunden Vorsprung auf Isolde Kostner den Abfahrts-Hattrick der Südtirolerin in dieser Saison. Am Samstag (11.45 Uhr) folgt noch ein Super G. Auf NEWS-Networld sind Sie LIVE dabei.

Auch Platz drei ging durch Corinne Rey-Bellet an die Schweiz. Beste Österreicherin war Selina Heregger, die mit Platz vier ihr bestes Weltcup-Ergebnis herausfuhr.

Für die Schweiz war es eine zweifache Premiere: Berthod gewann ihr erstes Rennen, zudem war es der erste Sieg für die Eidgenossen in St. Moritz, denn bisher hatte es hier nur zu einem siebenten Platz gereicht. Doch am Donnerstag schlug die Stunde der 24-Jährigen aus dem Wallis: Vor zwei Jahren noch war sie eine von vier Fahrerinnen gewesen, die St. Moritz mit einem Kreuzbandriss verlassen hatten, doch heuer scheint ihr der Knopf so richtig aufzugehen. Auch heuer ging es nicht ohne Missgeschick, das vergleichsweise aber glimpflich war, ab. Berthod hatte ihren Innenschuh über Nacht zum Trocknen auf die Heizung im Bad ihres Hotel-Zimmers gelegt. Als sie das Utensil in der Früh anziehen wolle, fand sie es im WC liegend und nass wieder.

Versprechen eingelöst
Doch die Bestzeit im zweiten Training gab ihr zusätzliche Kraft und bewies ihre Form. Danach hatte sie gemeint: "Jetzt bin ich bereit zum Siegen!" Und dieses Versprechen löste sie auch ein, nachdem sie in der zweiten Abfahrt in Lake Louise schon Zweite gewesen war - damals um sechs Hundertstel hinter Kostner. Nun drehte sie den Spieß um. "Ich will diesen Sieg Regine widmen, denn der gehört ihr", sagte eine bewegte Berthod nach dem Sieg in Gedanken an die tödlich verunglückte Französin Regine Cavagnoud, "ich bin einfach nur stolz, hier zwischen Isolde und Corinne sitzen zu dürfen." Es war übrigens das erste Mal seit zehn Jahren, dass zwei Schweizerinnen in einer Weltcup-Abfahrt auf dem Treppchen standen.

Probleme mit glatter Piste
Die Österreicherinnen hatten hingegen so ihre Probleme mit der durch den Wind und die kalten Temperaturen extrem glatt gewordenen Piste. Zumindest Selina Heregger löste aber den Knoten, der sie bisher immer gebremst hatte und fuhr zum besten Ergebnis ihrer Weltcup-Karriere. Die WM-Bronzene von St. Anton verpasste um zwei Zehntel den Sprung aufs Podest, war aber trotzdem glücklich. "Die Erleichterung nach meinem Lauf war sehr groß, mir ist ein bisschen was vom Herzen gefallen", atmete die Kärntnerin auf und versuchte zu erklären: "Vielleicht habe ich mir nach den guten Trainingsergebnisse aus dem Sommer selbst zu viel Druck gemacht. Diesmal habe ich versucht, mich so gut wie möglich abzulenken, nur nicht zu grübeln. Und das hat geholfen."

Götschl mit Fehler
Hinter Heregger folgten auf den Plätzen sechs, sieben und acht mit Renate Götschl, Tanja Schneider und Michaela Dorfmeister ein ÖSV-Paket. Wobei Götschl mit einem Fehler im technischen Teil ("Kompression übersehen, da hat's mich rausgetragen") ein besseres Ergebnis vergab. "Man darf aber eines nicht übersehen", erklärte die Steirerin, "die Dichte ist extrem groß geworden. Viele Verletzte sind wieder da, es gibt nicht nur zwei Läuferinnen in Hochform. Es ist schwerer geworden, zu gewinnen."

Michi war verärgert
Dorfmeister war nach dem achten Platz zunächst stark verärgert. "Ich bin einfach nicht ins Fahren gekommen. Was mich geärgert hat war, dass so viele Rutschkommandos unterwegs waren. Das macht die Piste viel glatter und für uns nicht einfacher. Und zudem haben wir auf trockenem Kunstschnee nach wie vor nicht das richtige Material", erklärte die Niederösterreicherin, "wir sind noch nicht ganz so weit, wie wir sein wollen. Bei extrem kalten, glatten Bedingungen tun wir uns noch schwer."

Schwarzer Tag von Obermoser
Dorfmeister weist nach dem zehnten Saison-Rennen als Führende im Gesamt-Weltcup aber noch immer einen Vorsprung von jetzt 95 Punkten gegenüber Kostner auf. Einen schwarzen Tag erwischten auch die Vorjahrssiegerin Brigitte Obermoser als 21. und Alexandra Meissnitzer, die sich überhaupt erst auf Platz 43 fand.

Endstand Damen-Abfahrt St.Moritz

1.

Sylviane Berthod
SUI
1:34,05
2.

Isolde Kostner
ITA
+0,05
3.

Corinne Rey-Bellet
SUI
+0,08
4.

Selina Heregger
AUT
+0,31
5.

Hilde Gerg
GER
+0,46
6.

Renate Götschl
AUT
+0,47
7.

Tanja Schneider
AUT
+0,78
8.

Michaela Dorfmeister
AUT
+0,79
9.

Carole Montillet
FRA
+0,96
10.

Caroline Lalive
USA
+0,97
11.

Pernilla Wiberg
SWE
+0,98
12.

Elena Tagliabue
ITA
+1,11
.

Melanie Suchet
FRA
+1,11
14.

Lucia Recchia
ITA
+1,18
15.

Patrizia Bassis
ITA
+1,25







weiter:


21.

Brigitte Obermoser
AUT
+1,54
24.

Stefanie Schuster
AUT
+1,69
29.

Marlies Schild
AUT
+1,93
32.

Astrid Vierthaler
AUT
+2,03
.

Katja Wirth
AUT
+2,03
40.

Ingrid Rumpfhuber
AUT
+2,48
43.

Alexandra Meissnitzer
AUT
+2,69
60.

Martina Lechner
AUT
+4,61

18.12.2001 14:56