Montag, 17. Dezember 2001

"Ein Damen-Sieg ist zu wenig"

"Bei den Herren sind wir über den Erwartungen, bei den Damen etwas darunter!" Das ist die alpine Bilanz von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zum Jahreswechsel. Bei den Herren hat es trotz der Ausfälle vieler Leistungsträger sieben Siege gegeben, bei den Damen hingegen nur einen. Ein wenig versöhnt, dass trotzdem nicht nur bei den Herren mit Stephan Eberharter, sondern auch bei den Damen mit Michaela Dorfmeister eine Österreicherin im Weltcup führt.

"Insgesamt ist ein Sieg bei den Damen aber zu wenig", ist sich Schröcksnadel mit Alpinchef Hans Pum einig und selbst Damenchef Karl Frehsner gestand ein: "Die Bilanz ist etwas mager." Pum blieb trotzdem positiv. "Ich bin sicher, dass die Mädchen schon im Jänner schöne Siege feiern werden. Denn mannschaftlich sind wir sehr stark." Für den Alpinchef hat bisher aber ein wenig auch das Glück gefehlt. "Hätten unsere Besten etwa in St. Moritz gute Sicht gehabt, sähe es wohl anders aus."

Damen geht der Knopf nicht auf
Ohne übersehen zu wollen, dass es im Gegensatz zu den Herren, wo Eberharter und Co das Fehlen von Assen wie Maier, Hannes Trinkl, Werner Franz, Heinz Schilchegger und Rainer Salzgeber bilanzmäßig fast kompensiert haben, momentan für einige Leistungsträgerinnen wie Renate Götschl, Brigitte Obermoser oder Alexandra Meissnitzer nicht besonders läuft. Am besten ohnehin noch für Dorfmeister, aber selbst die einzige Saisonsiegerin (Sölden) haderte in Lienz nach ihrem zweiten Ausfall in Folge: "Es ist nicht einfach, das alles zu verdauen. Das Jahr hat so super angefangen und umso schlechter aufgehört."

Dorfmeister bleibt zuversichtlich
Sie will sich aber nicht kopfscheu machen lassen. "Momentan ist halt ein bissl der Wurm drin, aber das wird schon wieder. Verzagen hilft eh nichts", so Dorfmeister. Nach dem Super-G-Training in Saalbach blieb ihr das Hoffen auf das neue Jahr und die Rennen in Marburg. "Da ist ein anderer, breiterer Hang als in Lienz, der liegt mir sicher mehr." Dort hat sie ja schon gewonnen und Schröcksnadel hofft deshalb: "Bisher hat sie immer im Jänner ein Loch gehabt, vielleicht hat sie es jetzt schon hinter sich."

Götschl noch von letzter Saison gezeichnet
Hat Dorfmeister wenigstens schon Erfolge in der Tasche, liegt Götschl derzeit weit hinter ihrem persönlichen Fahrplan. "Im Moment läuft es einfach nicht so, wie ich es mir vorstelle. Ich bin entschlossen, möchte etwas erreichen und bemühe mich auch. Ich denke, Geduld ist jetzt das Beste", sagte die Steirerin, die heuer mit Platz zwei im Super G von Val d'Isere erst einen Podestplatz heraus gefahren hat. "Bei ihr haben die Enttäuschungen der vergangenen Saison sicher Spuren hinterlassen", hatte Pum Verständnis. "Sie hat bei der WM Chancen ausgelassen, hatte den Weltcup schon in Händen und ihn wieder verschenkt. Aber mir ist lieber sie macht heuer jetzt schon die Geschenke als wieder wie im Vorjahr im Februar!"

Meissnitzer muss Zähne zusammenbeißen
Besonders zaghaft blickt Meissnitzer in die Zukunft. Die Salzburgerin wird erneut von so argen Knieschmerzen geplagt, dass sie direkt von Lienz wieder in die Klinik nach Basel fuhr, um sich Injektionen verpassen zu lassen. In Lienz waren die Schmerzen an der Patellarsehne so groß, "dass ich am Tag vor dem Rennen nicht gedacht hatte, dass ich überhaupt fahren kann", gestand sie. Eine Pause will sich die frühere Weltcupsiegerin dennoch nicht gönnen. "Das kann ich mir nicht leisten. Mir läuft sonst hinsichtlich Olympia die Zeit davon."

Hoffnung auf neuen Schwung im neuen Jahr
Alpinchef Pum sah dennoch keinen Grund zur Hektik. "Noch vor einem Jahr haben sie uns geschimpft, dass wir mit unseren Siegen den Weltcup ruinieren. Die Leistungsdichte ist enorm geworden und das ist auch gut so. Aber am Ende wird diese Saison ohnehin nur an Olympia gemessen werden." Und Frehsner versprach: "Wir werden die Situation bereden und analysieren, damit wir das neue Jahr mit mehr Punch angehen können."

17.12.2001 14:19