"Olympia war immer ein Ziel"

Für Günther Chromecek, den Cheftrainer der ÖSV-Kombinierer, ist es so etwas wie ein kleines Weihnachtswunder: David Kreiner hat sich bei einem schweren Bergunfall zwei Lendenwirbel gebrochen. Kaum viereinhalb Monate später hat er die Rückkehr auf die Schanze geschafft.
Der 20-jährige Tiroler absolvierte in den vergangenen Tagen mit Trainer Andreas Felder die ersten Sprünge auf einem 40-m-Bakken in Absam und denkt bereits an ein Comeback im Weltcup. "Olympia war immer mein Ziel", nennt Kreiner den Saisonhöhepunkt im Februar als große Motivation während der Rehabilitation.
Der 12. August hatte einen argen Einschnitt im Leben des Team-Vize-Weltmeisters und Junioren-Champions in der Nordischen Kombination gebracht. Kreiner, eines der weltweit größten Talente in der Nordischen Kombination, war bei einer Klettertour im Wilden Kaiser abgestürzt und hatte Brüche des dritten und vierten Lendenwirbels erlitten. Dabei hatte der Sportler vom SC Kitzbühel noch Glück, er war nur knapp an einer Lähmung vorbeigegangen. Nach der Operation in Innsbruck rechneten Ärzte und Trainer mit einer zumindest einjährigen Zwangspause.
Kämpfen ums Comeback
Doch Kreiner kämpfte von Beginn an um ein möglichst frühes Comeback. "Ich will so schnell wie möglich wieder gesund werden und meine Triebfeder ist der Sport", sagte er nach der Operation. Vier Wochen später begann er mit Kräftigungsübungen für die Arme - die Wirbelsäule war durch eine Metallüberbrückung stabilisiert worden - Anfang November mit Langlaufen und am 21. Dezember sprang er erstmals wieder von einer Schanze.
Zurück in den Weltcup
Nachdem sich Kreiner durch Alpinfahren wieder an das Tempo auf den Ski gewöhnt hatte, wagte er sich unter Aufsicht von Felder wieder auf einen Bakken. Auf die Jugendschanze in Felders Heimatort, auf der dieser vor Jahren selbst erste Sprünge nach einem Unfall versucht hatte. Angst habe er keine gehabt, ob auch alles halten würde, sagte Kreiner. "Aber nach dem ersten Sprung ist man schon froh, dass man herunten ist." Jetzt will er so bald wie möglich auf eine größere Schanze, wahrscheinlich nach Reit im Winkl, und dort die nötige Form für den Weltcup aufbauen. Auch mit Krafttraining hat er schon wieder begonnen.
Weihnachtsgeschenk
Dass es noch vor Weihnachen mit dem Springen geklappt hat, ist für Kreiner ein "schönes Geschenk", aber auch das Ergebnis harter Arbeit. "Da sieht man, was mit eine Konzentration auf spezielle Ziele ausmacht", meinte Chromecek. Der Coach nennt die Rückkehr Kreiners im Vergleich zu Hermann Maier, der immer im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand, "den stillen Weg zurück". Für einen Sportler sei es besser, wenn er in Ruhe arbeiten könne.
Ziel ist Olympia
"Ich bin echt zuversichtlich, dass David sein Ziel erreicht", meinte Chromecek, der in Willi Denifl einen weiteren rekonvaleszenten Olympia-Kandidaten im Team hat. Die harte Qualifikation für Salt Lake City bleibt dem Duo aber nicht erspart. In Liberec, der letzten Station vor Olympia, muss vom 18. bis 20. Jänner (zwei Bewerbe) ein Leistungsnachweis erbracht werden. Nur einer der zwei wird es in das sechsköpfige Olympiateam schaffen, für das Felix Gottwald, Mario Stecher, Christoph Eugen, Michael Gruber und Christoph Bieler praktisch fix sind.
