Jeweils Reaktion "auf Aufmarsch der anderen Seite"

Im Konflikt mit Pakistan hat Indien am Sonntag nach eigenen Angaben Armeeverbände, darunter auch Kampftruppen, in die Grenzregion verlegt. Indien habe damit auf pakistanische Truppenbewegungen auf der anderen Seite der Grenze reagiert, sagte Verteidigungsminister George Fernandes.
Auch Pakistan bestätigte, Truppen ins Grenzgebiet verlegt zu haben. Indien hatte bereits am Vortag den Druck auf das Nachbarland verstärkt und Pakistan aufgerufen, die Anführer militanter Gruppen festzunehmen, die Indien für den Anschlag auf das Bundesparlament am vergangenen Donnerstag verantwortlich macht. Beide Staaten haben seit ihrer Unabhängigkeit 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Zwei davon gingen um die Region Kaschmir, auf die beide Atommächte Anspruch erheben.
Die indische Nachrichtenagentur PTI zitierte Fernandes mit den Worten, die indischen Verbände seien in den Unionsstaaten Punjab und Rajasthan an Standorte verlegt worden, die näher an der Grenze zu Pakistan lägen. Die verlegten Kampftruppen umfassten Panzer- und Artillerieverbände. Pakistan habe zuvor eine Reserve-Division und andere Kampfverbände Richtung Grenze verlegt. Auch wenn die pakistanischen Verbände keine Kampfposition eingenommen hätten, habe Indien darauf reagieren müssen.
Ein pakistanischer Armeesprecher sagte hingegen, sein Land habe auf indische Truppenbewegungen reagiert. Der pakistanische Luftwaffenchef Mushaf Ali Mir hatte am Vortag gesagt, die Streitkräfte seien bereit, auf jeden "Fehltritt" Indiens zu antworten. "Wir sind absolut vorbereitet und können jede Herausforderung annehmen." Zehn Kampfflugzeuge des chinesischen Typs F7-PG sollten in der kommenden Woche in die Kaschmir-Region verlegt werden. Weitere 20 Flugzeuge wolle Pakistan in den kommenden Monaten von China kaufen.
Aus indischen Sicherheitskreisen verlautete am Sonntag, zwei indische Grenzwachen seien in Kaschmir nahe der Demarkationslinie zu Pakistan getötet worden, nachdem sie von der anderen Seite der Grenze aus beschossen worden seien. Drei Grenzwachen seien verletzt worden. Aus pakistanischen Regierungskreisen verlautete, auf pakistanischer Seite seien ein Zivilist getötet und weitere acht verletzt worden. In den vergangenen Tagen war es im Grenzgebiet immer wieder zu vereinzelten Feuergefechten zwischen pakistanischen und indischen Truppen gekommen.
Indien hat Pakistan vorworfen, in den Anschlag auf das Parlament in Neu-Delhi verwickelt gewesen zu sein und schließt Angriffe auf kaschmirische Guerilla-Stützpunkte in Pakistan nicht aus. Pakistan bestreitet eine Beteiligung. Bei dem Anschlag waren 14 Menschen getötet worden, darunter die fünf Attentäter. Die Sprecherin des indischen Außenministeriums, Nirupama Rao, sagte am Samstag, Indien erwarte, dass die Verantwortlichen für den Anschlag festgenommen würden. Die indische Armee teilte unterdessen am Sonntag mit, sie habe bei einem Feuergefecht im Unionsstaat Jammu und Kaschmir ein führendes Mitglied einer der beiden von Pakistan aus operierenden Gruppen getötet, die für das Attentat verantwortlich gemacht werden.
Das pakistanische Außenministerium warf dem indischen Geheimdienst am Sonntag vor, einen Mitarbeiter der pakistanischen Botschaft in Neu Delhi ohne Grund geschlagen und vorübergehend festgenommen zu haben.
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