Donnerstag, 20. Dezember 2001

SPEZIAL: Alle Infos zur Wahl des ORF-Generals

Erstmals in der Geschichte des ORF wird eine Frau an der Spitze des Unternehmens stehen: Die bisherige Landeschefin Niederösterreichs, Monika Lindner (57), wurde vom neuen ORF-Stiftungsrat früher als erwartet zur Nachfolgerin ihres Mitbewerbers Gerhard Weis gewählt. Unterstützt wurde Lindner von ÖVP- und FPÖ-nahen Stiftungsräten. Von Seiten der Politik kamen gemischte Reaktionen auf Lindners Sieg. Personalspekulationen weist die neue ORF-Chefin zurück.

Lindner erhielt 22 von 35 Stimmen und wird ihren Dienst mit Wirkung vom 1. Jänner 2002 antreten. Nach Informationen aus dem Stiftungsrat votierten mit Ausnahme von Andreas Braun, der dem bürgerlichen "Freundeskreis" zugerechnet wird, alle ÖVP- und FPÖ-nahen Mitglieder des Aufsichtsgremiums für die niederösterreichische Landesintendantin.

In einer ersten Reaktion zeigte sich die künftige ORF-Generaldirektorin überwältigt: "Das ist ein unglaublicher Vertrauensvorschuss. Ich werde alles versuchen, diesem Vertrauen zu entsprechen und auch das Vertrauen derer zu gewinnen, die mich nicht gewählt haben. Ich übernehme von meinem langjährigen Chef Gerhard Weis, dessen Schülerin ich bin, ein hervorragend geführtes Unternehmen."

Nach Lindners Wahl hat der Stiftungsrat auch die Ausschreibung der künftigen ORF-Direktoren sowie der Landesdirektoren beschlossen. Am 8. Februar soll der Stiftungsrat das neue ORF-Team wählen. Dabei wird erstmals auch ein Direktor für den Online-Bereich gewählt.

ORF-Chefin weist Personalspekulationen zurück
Mit Unmut reagiert Monika Lindner auf das Interesse an ihrem zukünftigen Führungsteam. Es sei "unglaublich und eigentlich unzulässig", dass "man Leute des Hauses und auch außer Haus auf Listen kolportiert und mir und denen unterstellt, das sei ausgemacht und gepackelt", so Lindner.

Wünsche aus der Politik seien "wenn überhaupt, dann minimal" geäußert worden, so Lindner. "Wenn irgend jemand glaubt, dass hier ein Parteidiktat erfolgt ist und dass Listen hingelegt werden, auf denen Namen stehen - ja, das hätten vielleicht alle gern. Aber das gibt es nicht, denn das ist lächerlich."

Auch am Samstag hielten sich hartnäckige Spekulationen, dass etwa Walter Seledec, Chef vom Dienst der "Zeit im Bild" um 13.00 Uhr und zuletzt auf Grund seiner Nähe zu Freiheitlichen und Bundesheer in Diskussion, neuer Informationsdirektor werden könnte. Für die Hörfunkdirektion sei indes der Kärntner Landesintendant Gerhard Draxler vorgesehen, hieß es.

20.12.2001 21:22