Donnerstag, 20. Dezember 2001

UNHCR Österreich kritisiert steigende Obdachlosigkeit

Besorgnis über die steigende Obdachlosigkeit von Asylwerbern in Österreich äußerte das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) bei einer Pressekonferenz in Wien. Nach Gesprächen mit heimischen Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) berichtete die Leiterin des UNHCR-Büros in Wien, Karola Paul, von einer regelrechten Herbergsuche.

"Die NGOs sind dem Ansturm nicht gewachsen, da ihre Kapazitäten längst ausgeschöpft sind. Sie müssen die Leute abweisen", erzählte Paul.

Ein großer Teil der Betroffenen könne daher nicht in die dafür vorgesehenen Bundesbetreuung aufgenommen werden, so Paul. "Viele Asylsuchende nächtigen im Freien. Und wer bei den derzeitigen Temperaturen in Telefonzellen oder Parkbänken schläft, kämpft ums Überleben", meinte die Büro-Leiterin. Zudem haben diejenige, die im Freien übernachten, keine Zustelladresse. Sie können daher durch das Bundesbetreuungsamt nicht erreicht und in Folge vom Asylamt nicht angehört werden, so Paul.

"Daher muss eine Unterbringung der Leute nicht heute oder morgen geschehen, sondern vorgestern", sagte Paul. Christoph Riedl vom Evangelischen Flüchtlingsdienst meinte: "Im Flüchtlingsheim Traiskirchen schlafen z.B. schon 20 Leute auf dem Fußboden. Deshalb brauchen wir Unterkünfte nicht nur über Weihnachten, sondern für danach auch."

In Österreich gebe es keinen Bundesbetreuungsanspruch für Asylwerber, erzählte Paul. Deswegen sei das Anliegen der UNHCR in Österreich, dass trotzdem alle Flüchtlinge untergebracht und versorgt werden. "Unabhängig von Rasse und Religion", so Paul. Es seien gültige Standards für diese Betreuung zu schaffen. Paul richtete einen Appell an die Politik, diese Menschen nicht auf der Straße zu lassen. "Graz hat bereits Menschlichkeit bewiesen und ein Programm eingeführt, das Obdachlose auffängt."

Konkrete Zahlen über die Betroffenen konnte Paul nicht nennen. Jedoch berichteten NGOs wie Caritas oder Evangelischer Flüchtlichsdienst, dass rund 50 Leute pro Woche vor ihren Türen stehen. "Die Lage ist dramatisch. Eine Lösung kann nicht mehr abgewartet werden", sagte Paul.

20.12.2001 14:02