Prägte jahrelang die Balkan-Politik d. Außenamtes

Mit Jahresende tritt Albert Rohan nach sechs wechselvollen Jahren als Generalsekretär des Außenministeriums in den Ruhestand. Als er Anfang 1996 den diplomatischen Chefposten antrat, waren ihm turbulente politische Zeiten gewiss: Rohans Mandat begann mit dem EU-Beitritt Österreichs, führte zur EU-Präsidentschaft 1998, durch die Zeit der Sanktionen der EU-Partner und den OSZE-Vorsitz 2000 bis zum 11. September und seinen Folgen im ausklingenden Jahr.
Vielen seiner Ansprechpartner wird der geschliffene Spitzendiplomat Rohan als "Vizeminister mit politischem Profil" in Erinnerung bleiben. Sein Balkan-Wissen wird Rohan künftig an prominent besetzte Thinktanks weitergeben. Erstmals Balkan-Luft hatte er auf einem ersten Auslandsposten in Belgrad geschnuppert, und dieser Materie blieb er treu, auch wenn ihn dazwischen lange Berufsjahre nach Nord- und Südamerika führten. Als Generalsekretär machte Rohan wichtige Vermittlungsreisen in die Konfliktgebiete der Balkan-Region, aber auch an der Spitze der EU-Troika in den Iran, um den Dialog mit Teheran wieder zu eröffnen.
Die Außenpolitik Österreichs hat der Spitzendiplomat zweifellos mitgeprägt. Immer bekannte er sich zu dessen mitteleuropäischer Berufung. "Österreichs Platz ist im Kreis der europäischen Kernländer", schrieb er 1996 in einem Kommentar für "Die Presse". Die Integration Osteuropas ist ihm ein Anliegen, Österreichs enge regionale Partnerschaft im Nachbarschaftsbereich sieht er im EU-Erweiterungsprozess als ein Gebot der Stunde. Und der Balkan werde nicht zur Ruhe kommen, wenn nicht alle Staaten der Region an der Integration teilhaben, ist er überzeugt.
Rohan entstammt einer bretonischem Adelsfamilie, die nach der Französischen Revolution in Österreich und Böhmen ansässig wurde. Sein Großvater war der österreichisch-ungarische Staatsmann Graf Albert Georg Apponyi, Leiter der ungarischen Friedensdelegation in Paris 1920. Seit 1963 im Auswärtigen Dienst, war Rohan in Belgrad (1966-68), London (1968-75) und New York (1977-81), wo er das Sekretariat von UNO-Generalsekretärs Kurt Waldheim führte. 1983-85 leitete er die Abteilung für internationale Organisationen in Wien, 1986 wurde er Botschafter in Argentinien. Ab 1990 blieb er der Zentrale treu: Leitung der Abteilung Ost- und Südosteuropa, seit 1993 Vizechef der politischen Sektion. Ende 1995 berief ihn Außenminister Wolfgang Schüssel auf den Posten des "Generals".
Ein Nachfolger für den profilierten Diplomaten wird voraussichtlich erst in der ersten Jännerhälfte bestimmt. Bis dahin führt der derzeitige stellvertretende Generalsekretär, Christian Prosl, die Amtsgeschäfte. Die Ausschreibung für den Posten läuft bis 26. Dezember, eine Kommission wird Außenministerin Benita Ferrero-Waldner dann ihren Vorschlag unterbreiten. Neben Prosl sind auch der Kabinettschef der Außenministerin, Wolfgang Loibl, und die Leiterin der Integrationsabteilung, Eva Nowotny, für die Nachfolge im Gespräch.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Kriminalität20:48
Acht Jahre lang Sklavin19-jährige Deutsche wurde jahrelang misshandelt. Mutmaßliche Täter verhaftet.
Raubvögel vergiftet11:09
Falken ausgerottetBregenz: Taubenzüchter vergiftet gesamte Population am Pfänderstock
