Straßenschlachten in Buenos Aires

Das in einer tiefen Wirtschaftskrise steckende Argentinien ist erneut von schweren Zusammenstößen erschüttert worden. In der Hauptstadt Buenos Aires und im Nordosten des Landes ging die Polizei am Mittwoch mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Plünderer vor, während wütende Demonstranten vielfach gegen die Sparmaßnahmen der Regierung und die zunehmende Verarmung protestierten.
Um die aufgebrachte Bevölkerung zu beruhigen, wies die Mitte-Links-Regierung mittlerweile Lebensmittelhilfen in Höhe von sieben Millionen Dollar (7,77 Mill. Euro/106,9 Mill. S) an.
Polizei geht gegen Demonstranten vor
Bei den gewalttätigen Protesten wurden mindestens 20 Demonstranten verletzt. Nach Angaben der Gewerkschaften ging die Polizei in La Plata rund 60 Kilometer südlich der Hauptstadt Buenos Aires mit Gummigeschossen gegen Kundgebungsteilnehmer vor, die Lohnerhöhungen forderten. In Buenos Aires bewarfen Demonstranten den Dienstwagen von Präsident Fernando de la Rua mit Steinen und beschimpften den Staatschef. De la Rua schloss die Verhängung des Ausnahmezustandes aus. Zugleich versicherte er, die Parität des Peso zum US-Dollar bleibe bestehen.
"Organisierte Gewaltaktion"
Die Demonstration mit mehreren tausend Teilnehmern in La Plata geriet außer Kontrolle, als aus der Menge heraus die Fensterscheiben mehrerer Banken eingeworfen worden seien, teilte die Polizei mit. Am frühen Mittwoch hatten aufgebrachte Demonstranten in Buenos Aires Straßensperren in Brand gesetzt und mehrere Geschäfte geplündert, wie örtliche Medien berichteten. Die Regierung sprach von einer "organisierten Gewaltaktion". Argentinien befindet sich seit Jahren in einer schweren Rezession.
Hunderte Menschen stürmten mindestens sechs Supermärkte im Norden und Westen von Buenos Aires und plünderten Waren von Fernsehern bis zu Textilien. Auch tagsüber kam es in den Vororten der Hauptstadt zu sporadischen Raubzügen. Beobachter sprachen von einer der schwersten Ausschreitungen, seit Präsident Raul Alfonsin 1989 über die Lebensmittel-Krise stürzte.
Straßenschlachten in Cordoba
In Argentiniens zweitgrößter Stadt Cordoba lieferte sich die Polizei Straßenschlachten mit städtischen Beschäftigten, die gegen Lohnrückstände demonstrierten und Protestlieder sangen. Die Polizei schoss mit Gummigeschossen auf die Demonstranten, aus den städtischen Büros quoll Berichten zufolge Tränengas. Aus den meisten anderen Provinzen des Landes wurden vereinzelte Zwischenfälle gemeldet. Auch das Zentrum von Buenos Aires blieb den Berichten zufolge ruhig.
Polizei machtlos gegen Plünderer
In der nordöstlichen Provinz Entre Rios sahen Sicherheitskräfte hilflos zu, wie Hunderte von Plünderern im Schutz brennender Autoreifen mit ihrem Diebesgut flüchteten. "In unserer Nachbarschaft verhungern Menschen", sagte ein wütender Plünderer. "Wir nehmen uns nur Lebensmittel, das ist nicht zuviel verlangt." Gegen Tagesanbruch übertrug das argentinische Fernsehen aus Geschäften Bilder von zerrissenen Lebensmittelverpackungen und zerbrochenen Schaufensterscheiben.
Die Krawalle gelten als weiterer Schlag gegen Präsident Fernando de la Rua, dessen Popularität Meinungsumfragen zufolge ihren Tiefststand erreicht hat. De la Ruas Regierung kämpft mit einem Schuldenberg von 132 Milliarden Dollar (146 Mrd. Euro/2.015 Mrd. S), einer seit vier Jahren andauernden Rezession und einer Arbeitslosenquote von 18,3 Prozent.
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