Sonntag, 16. Dezember 2001

Angebote waren Prager Regierung zu gering

Werden Sie das Volksbegehren unterschreiben? Umfrage

Temelin als Ladenhüter? Die tschechische Regierung hat die Entscheidung über den Verkauf des Energiekonzerns CEZ, die heute fallen sollte, verschoben. Die Angebote für den staatlichen Anteil an der CEZ waren der Prager Regierung zu gering. Der Beschluss soll nun am 7. Jänner fallen. Tschechien droht sogar damit, die Privatisierung ganz zu stoppen, sollten die Angebote nicht aufgestockt werden.

Die tschechische Regierung hat am heutigen Montag in einer außerordentlichen Sitzung wider Erwarten keinen Zuschlag für die Privatisierung des Tschechischen Energiekonzerns (CEZ) erteilt. Die von Industrieminister Gregr erwartete Abnahmesumme von 9 Mrd. Euro (125 Mrd. ATS) wurde von keinem der drei im Rennen verbliebenen Übernahmekandidaten geboten. Die Entscheidung wird auf voraussichtlich 7. Jänner 2002 verschoben.

Ministerpräsident Milos Zeman fordert nun jene zwei Bewerber, die in die zweite Runde kommen sollen, EdF und Enel, auf, das Angebot auf mindestens 200 Mrd. Kronen (6,05 Mrd. Euro/83,3 Mrd. S) aufzustocken. Sollte dies nicht der Fall sein, werde die Regierung den CEZ-Verkauf aufgeben.

Zuvor: Verwirrung um CEZ-Anteil-Verkauf
"Falls die Angebote aus der Sicht des Preises unannehmbar sein werden, empfehlen wir der Regierung, keine Entscheidung zu treffen", erklärte zuvor der Industrie- und Handelsminister Miroslav Gregr nach Medienberichten vom heutigen Montag. Gregr erwartete vom Verkauf von CEZ und der sechs Strom-Distributionsfirmen bis 300 Mrd. Kronen (9,08 Mrd. Euro/125 Mrd. S). Das höchste Angebot - 135 Mrd. Kronen (4,08 Mrd. Euro/56,25 Mrd. S) kam offenbar von der italienischen Enel, die ursprünglich ein Konsortium mit der spanischen Iberdrola bildete. Dieses Konsortium ist jedoch angeblich im Moment zerfallen.

Das Preis-Angebot der favorisierten Electricite de France (EdF) war zunächst nicht genau bekannt. Die Franzosen sorgten zuletzt für Verwirrung, weil sie am gestrigen Sonntag mit ihrem Angebot erst zehn Minuten nach dem Abgabeschluss für die Bewerbungen gekommen seien. Darüber hinaus haben die Franzosen angeblich große Einwände - im Unterschied zu Enel - gegenüber den Bedingungen der Privatisierung, wie beispielsweise die vorgeschriebene Abnahme von Kohle.

Der dritte Bewerber - die britische International Power, der sich um CEZ gemeinsam mit der British Energy und der deutschen E.ON bewirbt, hat angeblich nur 40 Mrd. Kronen (1,2 Mrd. Euro/16,6 Mrd. S) geboten. Auch diese Gruppe von Interessenten hat Einwände gegen die Bedingungen der Privatisierung, scheint aber Außenseiter zu sein. "Wir haben die Information bekommen, dass wir aus dem Rennen sind", erklärte der E.ON-Vertreter Miroslav Pise.

Ein nicht genanntes Mitglied der Privatisierungs-Kommission der Regierung war skeptisch, ob die Minister den Zuschlag am heutigen Montag erteilen. "Es sieht so aus, dass die Privatisierung entweder aufgehoben wird oder weitere Verhandlungen mit Enel, EdF und International Power mit dem Schlusstermin 7. Jänner vorgeschlagen werden", hieß es zur tschechischen Zeitung "Mlada fronta Dnes".

16.12.2001 14:49