Samstag, 15. Dezember 2001

Gerichtsgutachten zum Kriminalfall

Die 4,5-Milliarden-Pleite des oberösterreichischen Plastikimperiums Steiner Industries wächst sich zum größten Kriminalfall Österreichs aus: Ein Gerichtsgutachten belastet Seniorchef Leopold und Sohn Alfred Steiner schwer.

Monatelange Untersuchungshaft haben Alfred Steiner mehr als dreißig Kilo Körpergewicht gekostet: Der Juniorchef des oberösterreichischen Plastikimperiums Steiner Industries AG vermißt die sündteuren Rotweine im Keller seiner Villa, die kubanischen Zigarren und die fünf Luxusautos. Aber während der Sohnemann bei Vernehmungen zumindest ein paar Angaben über seine Rolle bei der Pleite des Jahres zu Protokoll gegeben hat („Ich war zunächst fünf Jahre lang als Sänger beschäftigt und anschließend ein halbes Jahr lang im Anzeigenverkauf einer Sportzeitung tätig“), sagt Vater Leopold Steiner nur nada – nämlich nichts: Er schweigt eisern.

Der 58jährige Unternehmensgründer, nach zweimonatiger Flucht im August in Italien verhaftet, spielt die tragende Rolle in einem Drama, das schon jetzt mit Schulden von 4,5 Milliarden Schilling Österreichs drittgrößte Pleite aller Zeiten ist. Ein Gerichtsgutachten belegt: Der Fall Steiner hat zudem beste Chancen, sich zum größten Kriminalfall des Landes auszuwachsen. Das Investmenthaus Duke Street Capital (DSC), das bis Mitte 1999 um 750 Millionen 67 Prozent der Steiner Industries AG übernommen hatte, deponierte im Mai in Wels eine Strafanzeige. Inhalt: Die Steiners hätten den Briten ein wertloses Unternehmen verkauft und dieses durch dubiose Finanztransaktionen wie Scheinrechnungen, gefälschte Lagerbestände und mysteriöse Großbrände ausgeplündert.

15.12.2001 16:34