Bartenstein: "Wir wollen Hilfe anbieten"

Eisig war Freitagmittag nicht nur die Kälte in Traiskirchen, sondern auch der Empfang für Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) im Semperit-Reifenwerk. Etwa 250 Mitarbeiter hatten sich am Haupttor versammelt und beim Eintreffen des Ministers lautstarke "Wir wollen Arbeit"- ebenso wie "Buh"- und "Pfui"-Rufe sowie Pfiffe angestimmt.
Die "Semperitler" seien vor allem über die Diskussion um die Schließung der Betriebskrankenkasse erzürnt, erläuterte Betriebsratschef Alfred Artmäuer. Es sei den Beschäftigten frei gestellt worden, ihren Protest zu äußern.
Bartenstein stellte sich Minuten lang der Diskussion mit Mitarbeitern. Er hörte Fragen wie "Was passiert mit der Betriebskrankenkasse?" ebenso zu hören wie "Verrat"-Vorwurf. "Wartet nur auf die nächste Wahl", "Ausgezogen habt's uns bis auf die Unterhosen", lauteten einige der Zwischenrufe von Beschäftigten, die den Minister buchstäblich "umkreist" hatten. "Die Leute wollen Arbeit", untermauerte Artmäuer unterdessen vor Medienvertretern.
Bartenstein zeigt Verständnis
Bartenstein zeigte Verständnis dafür, dass die "Semperitler" aufgebracht und enttäuscht seien, dass Wut und Verzweiflung herrsche. In einem Pressegespräch präsentierten der Minister und Niederösterreichs Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann (V) ein Standortpaket für Niederösterreich-Süd/Traiskirchen.
Bartenstein: "Wir wollen Hilfe anbieten"
"Wir wollen Hilfe anbieten", sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V). Mit dem Standortpaket NÖ-Süd/Traiskirchen sollen Arbeitsplatz schaffende Investitionen gefördert werden. Es wurde für 2002 und 2003 ins Leben gerufen und ist 200 Mill. S. (14,5 Mill. Euro) schwer. Land NÖ und Bund teilen sich die Investitionszuschüsse.
Die Politik geht davon aus, mit dieser Maßnahme bis zu 1.000 Arbeitsplätze schaffen zu können. Die Hälfte der Summe, 100 Mill. S, sollen in die Region Baden-Traiskirchen selbst fließen.
Darüber hinaus wird ein Kreditrahmen des ERP-Fonds von 500 Mill. S zur Verfügung stehen. Bei Infrastrukturprojekten sind Laufzeiten bis zu 15 Jahren möglich. Ein Bürges-Garantierahmen in der Gesamtsumme von weiteren 500 Mill. S kann zur Besicherung von Krediten bei fehlenden Sicherheiten sowie zur Mobilisierung von Eigenkapital angeboten werden.
"Semperit ist kein Politikum"
Er habe kein Problem damit gehabt, der "Blitzableiter" für Semperit-Mitarbeiter gewesen zu sein, sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V). Immerhin würden die Beschäftigten einer ungewissen Zukunft entgegen sehen. Er weise aber strikt zurück, "wenn politisches Kleingeld gewechselt werden soll".
Semperit sei kein Politikum, so Bartenstein. Es handle sich viel mehr um eine "sehr bedauerliche Entwicklung, für die Continental die Verantwortung trägt". Dagegen etwas zu tun, scheine kaum mehr möglich. Es sei aber die Verantwortung der Politik, für den Standort NÖ-Süd etwas zu unternehmen.
Die Belegschaft sei froh über Mittel und Maßnahmen, sagte Semperit-Betriebsratschef Alfred Artmäuer. "Wir wechseln nicht politisches Kleingeld", aber die Diskussion im Parlament über die Betriebskrankenkasse sei wie "einen Sterbenden eingraben". Die Kasse sei gesund, könne ausgeglichen bilanzieren und habe 700 Mill. S an Rücklagen.
Den Vorwurf von Mitarbeitern und auch Artmäuers, Semperit einen "Pleitebetrieb" genannt zu haben, wies Bartenstein entschieden zurück. "Das lasse ich nicht auf mir sitzen." Es handle sich um eine "nachhaltige Unterstellung". Der Minister stellte vor Journalisten klar, weder von einem "Pleitebetrieb" noch von einem "maroden Unternehmen" gesprochen zu haben.

