OeNB: Erst 2003 Wirtschaftsaufschwung

Das weltweite Wirtschaftswachstum bleibt zwar noch in den Fesseln einer Rezession, ab 2002 soll sie aber wieder stärker wachsen. Eine entsprechende Studie attestiert auch Österreich ab Ende nächsten Jahres ein Wachstum von 1,6%. Die Österreichische Nationalbank kommt in ihrer Prognose auf ähnliche Ergebnisse für unser Land.
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Forschungsabteilung der Wochenzeitschrift "The Economist" (Economist Intelligence Unit, EIU), die am Donnerstag präsentiert wurde. Die britische Studie "2002: country by country" geht von einem weltweiten Konjunkturwachstum von 1,4 Prozent aus, heuer soll die globale Wirtschaft um "unspektakuläre" 1,2 Prozent wachsen.
Für Österreich erwartet die Studie im Vergleich zu nationalen Prognosen ein relativ optimistisches Konjunkturwachstum von 1,6 Prozent für 2002, die Wirtschaft werde sich aber erst im zweiten Semester erholen. Spannungen innerhalb der Koalition bzw. zwischen Regierung und Gewerkschaften könnten die Stabilität des Landes aber bedrohen. Neben dem Thema Privatisierung stelle für die österreichische Politik vor allem die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen einen Schwerpunkt dar, so die Studie, die zudem davon ausgeht, dass der Einfluss der Sozialpartner immer mehr zurückgehen werde.
Die US-Wirtschaft werde sich zwar erst in der zweiten Jahreshälfte 2002 nachhaltig erholen, einige Regionen der Welt dürften jedoch bereits vorher respektable Wachstumsraten erzielen, so die Schlüsselaussage des jüngsten EIU-Konjunkturberichtes. Mit einem BIP-Plus von weniger als 1 Prozent werde Nordamerika jene Region sein, die 2002 die größten Konjunkturprobleme haben werde, gefolgt von jenen Staaten, die in engen Handelsbeziehungen mit den USA stehen, wie zum Beispiel Westeuropa, Asien und Lateinamerika.
Das Wirtschaftswachstum in Westeuropa werde vor allem unter der schwachen Konjunktur in Deutschland und Frankreich leiden. Deutschlands Außenhandel sei stärker als andere Euro-Länder mit Nicht-Euro-Ländern verflochten und werde daher auch stärker von einer Rezession in den USA betroffen sein, so die EIU. Luxemburg und Irland sollen das größte Wirtschaftswachstum in dieser Region haben, während neben Deutschland Island, Belgien und die Schweiz mit unter 1 Prozent Wachstum die schwächste Konjunktur haben werden.
Schwellenländer wachsen stärker
Die Schwellenländer stellen laut EIU die am stärksten wachsende Region dar, wobei Russland mit plus 3,5 Prozent das Länderranking anführt. Alle Schwellenländer sollen der Studie zufolge der Rezession entkommen. Besonders stark würden jene Länder wachsen, die Öl und Gas ("Kohlenwasserstoffe") produzieren, also Turkmenien, Aserbaidschan und Kasachstan. Weißrußland und Mazedonien werden das schwächste Konjunkturplus haben.
Prognose der Österreichischen Nationalbank
Die Wirtschafts-Prognosen sind nicht rosig: Die Österreichische Nationalbank hat in ihrer Herbstprognose die Erwartungen für das Wirtschaftswachstum für 2001 auf 1,2 Prozent und für 2002 auf 0,9 Prozent zurückgeschraubt. Erst 2003 soll es wieder aufwärts gehen.
Die deutliche Revision um rund einen Prozentpunkt sei sowohl auf die sich stark abkühlende internationale Konjunktur als auch auf eine schwächere Inlandsnachfrage zurückzuführen, meinte die Vize-Gouverneurin der OeNB, Gertrude Tumpel-Gugerell, am Mittwochabend in Wien. Für das Jahr 2003 geht die OeNB von einem deutlich höheren Wachstum um 2,3 Prozent aus.
Ab 2002 leichter Aufwärtstrend
Nach dem für die zweite Jahreshälfte 2001 erwarteten Tiefpunkt des Konjunkturzyklus sollte ab dem nächsten Jahr eine langsam an Dynamik gewinnende externe Nachfrage und die günstigen Finanzierungsbedingungen die Investitionstätigkeit stützen, so Tumpel-Gugerell. Gemeinsam mit einer leichten Erholung des privaten Konsums soll das zu einer stetigen Belebung des BIP-Wachstums führen. Allerdings habe der 11. September die bereits vorher bestehende Unsicherheit bezüglich des Zeitpunkts des Aufschwungs erhöht, schränkte die Vize-Gouverneurin ein.
Den gedämpften privaten Konsum in den Jahren 2001 und 2002 erklärt Tumpel-Gugerell mit der deutlichen Wachstumsverlangsamung der real verfügbaren Haushaltseinkommen, welche auf die Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung, den Ölpreisanstieg und die erwartete Stagnation der Beschäftigung zurückzuführen sei. Nur ein Rückgang der Sparquote könne den Konsum in beiden Jahren um jeweils 1,4 Prozent ausweiten, bevor 2003 eine Zunahme der Beschäftigung und ein reduzierter Preisauftrieb das Konsumwachstum auf 2,1 Prozent beschleunigen werde.
Im Jahr 2003 soll Arbeitslosigkeit sinken
Dieser Prognose ist eine Zunahme der Arbeitslosenquote nach Eurostat-Definition von heuer 3,8 Prozent auf 3,9 Prozent im kommenden Jahr zu Grunde gelegt. Für 2003 erwartet Tumpel-Gugerell eine Belebung des konjunkturell determinierten Arbeitsmarkt und einen Rückgang der Beschäftigungslosigkeit auf 3,8 Prozent.
Ein wenig erfreuliches Bild zeichnet die Entwicklung der Investitionen in Österreich. Auf Grund der konjunkturell bedingten Schwäche bei den Ausrüstungsinvestitionen und der anhaltenden Rezession im Bausektor werde sich die Investitionstätigkeit 2001 mit 0,5 Prozent rückläufig entwickelt, so die Vize-Gouverneurin. Verbesserte Exportperspektiven sollen die Investitionen ab nächsten Jahr wieder auf Wachstumskurs bringen, für 2002 rechnet Tumpel-Gugerell mit einer 0,8-prozentigen Zunahme und 2003 soll sich das Wachstum der Investitionen auf 3,4 Prozent weiter beschleunigen.

