Mittwoch, 12. Dezember 2001

Punsch ist keiner Qualitätskontrolle unterworfen

Der Punsch-Verkauf ist zum Milliardengeschäft geworden. Mit einem Haken: Der Verkauf unterliegt weder der Gewerbeordnung noch bestimmten Qualitätsbestimmungen. So kann manches üble Gebräu in den Häferln landen. Tests zeigen, dass der Advent-Drink gern gepanscht und oft nicht ungefährlich ist.

Eduard Denner von der Wiener MA 59 zieht Proben von Orangen-, Apfel- oder Turbopunsch. Prüft „organoleptisch“, sprich, indem er zuerst seine Nase in den dampfenden Drink steckt und dann einen kleinen Schluck wagt, ob die Ware verdorben ist. Bezahlt wird nicht. Abgerechnet später, im amtlichen „Punsch-Bericht“.

Der Punsch-Test: Keine Qualitäts-Bestimmungen
Die bakteriologischen Analysen des Wiener Marktamtes, die in Zusammenarbeit mit Lebensmitteluntersuchungsanstalten durchgeführt werden, trüben den Genuss des vorweihnachtlichen „Ansäuselns“. Da es bis heute keinerlei Verordnungen für die Inhaltsstoffe von Punsch gibt, findet sich darin eine unendliche Palette mehr oder weniger g’schmackiger Ingredienzien. „Es bestehen derzeit weder Qualitäts- noch Kodexbestimmungen“, sagt Denner, „jeder kann daher unter der Bezeichnung ‚Punsch‘ anbieten, was er will.“ Und da der Ausschank des heißen Getränks nicht der Gewerbeordnung unterliegt, kann jeder Punsch anbieten.

Hygiene läßt zu wünschen übrig: Herpes-Viren im Punsch
Obwohl eine „entsprechende Hygiene“ vorgeschrieben ist, verfügen die meisten Standln über keine thermische Desinfektion der Häferln, die etwa in Wien aus Umweltgründen die Styropor- Einweggebinde verdrängt haben. So wird eben im „Schafferl“ abgewaschen. Was dazu führt, dass es als „Christkindl“ gefährliche Keime oder Herpes-Viren gibt. Der Alkoholgehalt ist ebenfalls nicht vorgeschrieben. So kommt es immer wieder zu schweren Alkoholvergiftungen, weil der Konsum „praktisch unberechenbar ist“, wie Primar Felix Fischer beklagt.

12.12.2001 17:17