Zukunft sieht düster aus

Das wirtschaftliche Klima in Japan friert weiter ein. Das Stimmungsbarometer für große Industriebetriebe fiel zum Dezember auf minus 38 nach minus 33 im September. Dies stellte die japanische Zentralbank in ihrem am Mittwoch veröffentlichten vierteljährlichen Tankan-Konjunkturbericht fest. Damit ist der Pessimismus auf dem tiefsten Punkt seit März 1999 angelangt.
Tokios Börsianer reagierten dennoch erleichtert, da ein noch schlechteres Ergebnis erwartet wurde. Der Nikkei-225-Index legte um kräftige 3,1 Prozent auf 10.801,52 Punkte zu, wozu auch die positive Vorgabe der US-Technologiebörse NASDAQ beitrug.
Der durch die Terroranschläge in den USA vom 11. September noch verstärkte Rückgang der Exporte zwingt Japans Manager, die Produktion zu drosseln, die Investitionen deutlich zurückzufahren und weitere Stellen abzubauen. "Der Bericht zeigt, dass das Schlimmste erst noch kommt", sagte Eishi Yokoyama von Chiyoda Life Capital Management der Agentur Bloomberg. Große Unternehmen mit tausend oder mehr Beschäftigten wollen im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende März) ihre Kapitalinvestitionen um 6,5 Prozent zurückfahren, mehr als doppelt so stark wie von ihnen noch im September (3,1 Prozent) veranschlagt.
Düstere Zukunftsszenarien
Die großen Industriebetriebe rechnen zudem mit einem Einbruch ihrer Vorsteuererträge um 34,4 Prozent, der stärkste Rückgang seit 1975, als die Gewinne im Zuge der Ölkrise um 49,8 Prozent geschrumpft waren. Die Masse der kleinen und mittleren Unternehmen, die mit Abstand den größten Teil der Arbeitsplätze in Japan stellen, sehen noch düsterer in die Zukunft als die Großunternehmen. So sackte der Stimmungsindex unter Produktionsfirmen mit weniger als 100 Mitarbeitern auf minus 49 nach minus 47 drei Monate zuvor. Zwar erwarten die Großbetriebe bis März eine leichte Aufhellung, doch waren sie schon in den letzten vier Umfragen zu optimistisch gewesen.
Wenig privater Konsum
Der private Konsum, der in Japan zu etwa 55 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt, fällt derweil als Wachstumsmotor weiterhin aus. Angesichts der rekordhohen Arbeitslosenquote von 5,4 Prozent und der Sorge um die Alterssicherung geben die Bürger weniger Geld aus. Zugleich halten sich die japanischen Banken angesichts fauler Kredite von geschätzt rund 151 Bill. Yen (1,35 Bill. Euro/18,6 Bill. S) mit neuen Kreditausleihungen weiter zurück.
Als Folge musste mit dem überschuldeten Baukonzern Aoki kürzlich erstmals eine größere Baugesellschaft Gläubigerschutz beantragen. Es war das 13. börsennotierte Unternehmen, das in diesem Jahr zusammenbrach. Die Bedingungen seien weiterhin ernst, kommentierte Regierungschef Junichiro Koizumi den jüngsten Quartalsbericht der Zentralbank und versicherte zugleich: "Ich werde bei den wirtschaftlichen Strukturreformen nicht nachlassen." So verstärkte die Regierung den Druck auf die Banken, sich beschleunigt ihrer Problemkredite zu entledigen, wie der Fall der Aoki-Pleite zeigte.
Nun offiziell: Auch in Japan Rezession
Dieser Tage hatte die Regierung erstmals offiziell bestätigt, dass die zweitgrößte Wirtschaftsnation erneut in eine Rezession zurückgefallen ist. Nach am Mittwoch veröffentlichten Berechnungen des Nomura Research Institutes wird Japans Wirtschaft wahrscheinlich in diesem sowie im nächsten Fiskaljahr schrumpfen, bevor sie im Fiskaljahr 2003 wieder zu Wachstum gelangt. Danach wird die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 0,9 Prozent und im nächsten Jahr um 0,6 Prozent sinken. Sollte der US-Wirtschaft allerdings keine Erholung gelingen und der Yen anziehen, gerät selbst die angepeilte Konjunkturwende 2003 in Gefahr.

