Finanzmärkte reagieren verhalten

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat am Dienstag erwartungsgemäß zum elften Mal in diesem Jahr die Leitzinsen gesenkt und nach Analysteneinschätzung die Bereitschaft für zumindest einen weiteren Schritt signalisiert. Die Fed nahm den entscheidenden Zielsatz für Tagesgeld (Fed Funds Rate) um 25 Basispunkte auf 1,75 Prozent zurück, womit das Zinsniveau so niedrig ist wie seit 1961 nicht mehr.
Die Notenbank begründete die erneute Zinsrücknahme mit anhaltenden Konjunkturrisiken, die auf eine weitere Abschwächung der weltweit größten Volkswirtschaft hindeuteten. Damit hätten sich die Währungshüter die Tür für eine weitere geldpolitische Lockerung Anfang 2002 offen gehalten, sagten Experten. Die US-Börsen schlossen uneinheitlich: Der Dow Jones Index ging 0,33 Prozent tiefer aus dem Markt, der Nasdaq Composite gewann 0,49 Prozent hinzu.
"Die wirtschaftliche Aktivität bleibt weiter schwach", teilte die Fed nach ihrer letzten Sitzung dieses Jahres mit. Zudem werde die Inflation wahrscheinlich weiter zurückgehen. Analysten werteten dies als Hinweis für die weitere Handlungsbereitschaft der Währungshüter. "Das signalisiert, dass sie eindeutig die Tür für mindestens eine weitere Zinssenkung offen halten", sagte Tim O'Neill, Chefvolkswirt der Bank of Montreal. Für diesen Fall sehen die Experten aber nahezu einhellig ein Ende des gegenwärtigen Zinssenkungszyklus erreicht. "Ich glaube immer noch, dass eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte möglich ist, und das dürfte es dann mit den Zinsen gewesen sein", sagte Howard Kornblue von ING Pilgrim. Die nächste reguläre FOMC-Sitzung ist für den 29./30. Jänner 2002 angesetzt.
Die Fed senkte auch den eher symbolischen Diskontsatz um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent. Zur Unterstützung der US-Wirtschaft, die Analysten zufolge bereit seit Frühjahr in einer Rezession steckt, hat die Fed den Schlüsselzins heuer nun bereits um 4,75 Prozentpunkte heruntergeschraubt. Dabei hatte sie drei Mal abseits ihrer regulären Treffen mit Zinssenkungen auf den Konjunkturabschwung reagiert.
Die Fed teilte weiter mit, sie sehe drei Monate nach den Anschlägen vom 11. September Anzeichen für eine Nachfrageerholung. An den Finanzmärkten waren zuletzt nach einigen überraschend starken US-Daten wie dem Index der US-Einkaufsmanager (NAPM) für die Dienstleistungsbranche Hoffnungen auf eine rasche Erholung der US-Konjunktur aufgekommen. Dagegen hatte einige Fed-Gouverneure vor zu großem Optimismus gewarnt und auf die derzeit noch zu unsichere Datenlage verwiesen. So war die Erwerbslosenquote im November stärker als von Analysten erwartet auf 5,7 Prozent geklettert, den höchsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 1,1 Prozent geschrumpft nach einem Plus von 0,3 Prozent im Vorquartal.
Die Finanzmärkte reagierten verhalten auf den weithin erwarteten Zinsschritt der Fed. Der Dow-Jones- und der Nasdaq-Index zogen während des Handels geringfügig an. Der Dow Jones Industrial Index schloss gegenüber dem Vortag um 33,08 Einheiten oder 0,33 Prozent tiefer mit 9.888,37 Punkten. An der US-Technologiebörse Nasdaq gewann der Nasdaq Composite Index bis Sitzungsende 9,81 Zähler oder 0,49 Prozent hinzu und beendete den Handel mit 2.001,93 Punkten.

