Montag, 10. Dezember 2001

Süßwasser-Konferenz in Bonn

Die Gärten israelischer Siedler sind grün, die der Palästinenser aber nicht. Palästinenser dürfen 20 Meter tief bohren für einen Brunnen, israelische Siedler aber 80 Meter. Der Sprecher der Palästinensischen Generaldelegation bei der Internationalen Süßwasserkonferenz in Bonn, Mohammed Nazzal, findet viele Beispiele, in denen sich seiner Ansicht nach der Wasserkonflikt mit Israel widerspiegelt.

Dagegen betont die israelische Vize-Energieministerin Naomi Blumental, dass Israel trotz aller Gewalt immer noch als Zeichen guten Willens den Palästinensern Wasser liefere. Um diesen Aspekt des Nahost-Konflikts zu entschärfen, fördert das deutsche Entwicklungsministerium insbesondere Wasserprojekte im Nahen Osten.

70 Prozent der Entwicklungshilfe für die Palästinenser fließt in den Wassersektor. Die gesamte Region erhielt 1999 und 2000 insgesamt 360 Millionen Mark aus Deutschland. Als Beispiel stellte die Carl-Duisberg-Gesellschaft (CDG) bei der Süßwasserkonferenz ihr Weiterbildungsprogramm im Wassersektor Palästinas vor. Der zuständige Biologe Ismail al Baz war entgeistert über die Zustände in den Palästinensergebieten, als die CDG 1996 mit der Schulung von Experten begann. Nur die Hälfte der Haushalte hatte einen Wasseranschluss und nur 20 Prozent war an die Kanalisation angeschlossen. Obwohl sich die Zustände seither deutlich gebessert haben - immerhin gibt es jetzt eine eigenständige palästinensische Wasserbehörde mit 100 Angestellten -, betont Baz, dass nur ein fairer Friedensprozess zur Lösung des Wasserproblems beitragen kann.

Entwicklungshelfer kritisieren Israels Wasserpolitik
"Israel nimmt sich, was es braucht", heißt es in deutschen Entwicklungshilfekreisen, die nicht viel Gutes zu sagen wissen über die israelische Wasserpolitik. Das Land entnehme bis zur Hälfte seines Trinkwassers aus den Grundwasservorkommen im Westjordanland. Und wenn es die Verpflichtung des Friedensabkommens zur Lieferung von jährlich 35 Millionen Kubikmetern einhalte, dann verkaufe es den Palästinensern quasi ihr eigenes Wasser. "Das ist doch für die Palästinenser unerträglich." Die deutsche Entwicklungshilfe bemühe sich vor allem um die Instandsetzung des maroden Leitungssystems, wo viel Wasser verloren geht, und um die Kanalisation. Aber oft gehe der Bau von Kläranlagen nicht voran, weil Israel die Baumaterialien nicht ins Land lasse. Und Brunnenbohrungen würden von Siedlern gestört oder auch von Militärs.

Nazzal kritisiert in Bonn, dass Israel seinen Verpflichtungen nicht nachkomme, den Anteil seiner Entnahmen aus dem Grundwasser des Westjordanland zu reduzieren. "Wir haben keine Möglichkeiten über unser Wasser zu verfügen." Israel verbraucht im Jahr nach seinen Angaben 1770 Millionen Kubikmeter Wasser, die Palästinenser 250 Millionen. Jordanien kann sich dagegen nicht über Israel beklagen, da es jedes Jahr wie vereinbart 55 Millionen Kubikmeter Wasser beziehe, sagt der Wasserminister des Landes, Hashim al Naser, am Rande der Bonner Konferenz. Jordanien gehört mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 170 Kubikmetern Wasser im Jahr zu den zehn wasserärmsten Ländern der Welt. Um seine Wasserversorgung zu verbessern, will das Land in den nächsten zehn Jahren umgerechnet mehr als acht Milliarden Mark investieren.

Wassermangel ist globales Problem
Er habe bei der Süßwasserkonferenz deutlich gemacht, dass Wassermangel ein globales Problem ist, sagt der jordanische Minister. "Jeder wird mit den Folgen zu kämpfen haben." Die Israelin Blumental lässt zwar auch Sorge um das Wasser erkennen, vertraut aber auf den technologischen Fortschritt: "Die Ölkrise hat uns schließlich auch gelehrt, nach anderen Energiequellen zu forschen." Ein deutscher Entwicklungsexperte, der bei diesem heiklen Thema lieber ungenannt bleiben möchte, ist überzeugt: Israel, Palästina und Jordanien könnten das Wasserproblem lösen, "wenn sie es wirklich überregional managen und gemeinsam investieren würden".

10.12.2001 10:43