Freitag, 14. Dezember 2001

Bundesliga-Präsident Stronach zeigt Verständnis

Der SK Sturm Graz wird den Beschluss des Senats II der Fußball-Bundesliga nicht akzeptieren, wonach Verteidiger Ferdinand Feldhofer ab sofort kostenlos frei ist. Dies gab Klubpräsident Hannes Kartnig am Donnerstag per Presseaussendung bekannt. Am Mittwoch Abend hatte Kartnig noch mit dem in Kanada weilenden Bundesliga-Präsidenten Frank Stronach telefoniert.

Am Mittwoch entschied der Senat II, dass der Austritt von Feldhofer aus dem Vertrag mit Sturm berechtigt ist und der 22-jährige Verteidiger daher kostenlos frei ist.

"Ich habe nach Erhalt des Beschlusses den Präsidenten der Bundesliga, Herrn Frank Stronach, noch Mittwoch spätabends telefonisch von dieser zutiefst vereinsschädigenden Entscheidung informiert. Präsident Stronach vertritt die Meinung, dass eine einseitige Vertragskündigung durch einen Spieler nicht gestattet ist. Aus diesem Grund wird Bundesligapräsident Frank Stronach den Beschluss aufheben und die Bundesliga wird bis Juni 2002 (insofern es vorher nicht zu einer Transferlösung kommt) den Beschluss nicht anerkennen", hieß es in der von Kartnig unterzeichneten Presseerklärung.

Aufhebung des Beschlusses rechtlich nicht möglich
Nach Rücksprache von Bundesliga-Vorstand Reinhard Nachbagauer mit Stronach am Donnerstag heißt es auf der Bundesliga-Homepage aber etwas anders. "Die Aufhebung des Beschlusses des Senats 2 durch die Bundesliga steht nicht zur Diskussion, das dies rechtlich auch gar nicht möglich ist. Das Gremien hatte den vorzeitigen Vertragsaustritt des Spielers als gerechtfertigt beurteilt. Dieser Entscheidung liegen rein arbeitsrechtliche Kriterien zugrunde."

Widerspruch von Arbeitsrecht und Profi-Fußball
Genau darin sieht Frank Stronach aber auch eine problematische Überschneidung zwischen dem Arbeitsrecht und den Notwendigkeiten im Profi-Fußball. Die Anwendung dieser arbeitsrechtlichen Bestimmungen könne in vielen Fällen den Notwendigkeiten im Fußball-Geschäft nicht entsprechen.

"Ungerechtfertigte Spielerbegehren"
Kartnig seinerseits kritisierte neuerlich die Entscheidung des Senats. "Es kann nicht sein, daß ein Senat der Bundesliga eine Entscheidung trifft, wobei die Gegenseite keinerlei Recht zur Berufung besitzt. Es wurde zudem nie eine ordentliche Verhandlung mit Anhörung bzw. Berücksichtigung des Vorbringens des SK Sturm durchgeführt. Insgesamt ist die gesamte Entscheidungsbegründung nach Prüfung durch unsere Juristen völlig irreführend. Die Bundesliga sollte ein Vertreter der Klubinteressen sein und nicht zum Verteidiger ungerechtfertigter Spielerbegehren werden; die Spieler sind sehr wohl in der Lage ihre Interessen selbst oder über die Gewerkschaft zu vertreten.", so Kartnig weiter.

Brief von Kartnig an alle Bundesliga-Präsidenten
Sturm ersuchte alle Präsidenten der max.Bundesliga, dass Feldhofer bis 30. Juni 2002 (dem regulären Vertragsende) von keinem Verein verpflichtet wird. "Heute hat es den SK Puntigamer Sturm Graz getroffen - morgen könnte schon der nächste Verein betroffen sein. Aus diesem Grund ersuchen wir und ich alle Vereine der max.Bundesliga in dieser so wichtigen Frage sich solidarisch zu erklären", schrieb Kartnig. Dem stimmte Stronach zu und appelliert an den Solidaritätsgedanken der Bundesliga-Klubs, durch die Verpflichtung von Spielern, die vorzeitig vom Vertrag austreten, keinen Nutzen zu ziehen.

Sturm-Boss erinnert an Bosman-Urteil
Der Sturm-Boss führte auch das Bosman-Urteil an, wodurch es für alle Vereine schon schwer genug sei, Verträge mit Spielern abzuschließen. "Es bestehen heute wesentlich mehr Pflichten für die Vereine als an Rechten beansprucht werden kann. Dieses eklatante Missverhältnis gegenüber Vereinen droht mit dem Recht auf einseitige Kündigung durch einen Spieler noch ausgeweitet zu werden", hieß es in der Pressemitteilung. Dem veschließt sich auch die Bundesliga nicht. Daher strebt sie laut Nachbagauer ein Berufssportgesetz an, in dem solchen Besonderheiten Rechnung getragen wird.

14.12.2001 09:05