Sonntag, 16. Dezember 2001

Heimlicher Sieger Eberharter

Die große Serie der Österreicher in Weltcup-Riesentorläufen ist in Alta Badia zwar gerissen, doch trotzdem gab es im österreichischen Lager lachende Gesichter. Einerseits bei Stephan Eberharter, der auch als Neunter seine Weltcup-Führung weiter ausbaute, weil US-Star Bode Miller nach Halbzeitführung ausschied, andererseits bei Christoph Gruber. Der Tiroler fuhr nach einem schweren Fehler im ersten Lauf mit überragender Laufbestzeit von Platz 30 (!) noch auf Rang vier, den er sich mit Benni Raich teilte. Den Sieg holte sich wie schon in Sölden der Franzose Frederic Covili vor dem Schweizer Michael von Grünigen und dem Finnen Sami Uotila.

In Alta Badia schloss sich der Kreis. 1996 war es das bisher letzte Mal im Weltcup gewesen, dass kein Österreicher im Riesentorlauf unter die ersten Drei gefahren war, fünf Jahre und 41 Rennen später war es wieder die Gran Risa, die keinen rot-weiß-roten Läufer auf dem Podest sah. Doch allen war's egal, weil es einen klaren Aufwärtstrend der Österreicher in dieser Disziplin gab und weil sich vor allem Eberharter ins Fäustchen lachen durfte.

Vorgabe fürs Wochenende erfüllt
Dabei hatte er im ersten Lauf sichtlich Umstellungsprobleme von der Abfahrt, wie Gruber ging ihm Lauf zwei allerdings gut auf, er fuhr vom 24. auf den neunten Platz vor. Und "outete" sich danach in Richtung Weltcup: "Vor diesem Wochenende habe ich mir zum Ziel gesetzt, mit 500 Punkten nach Hause zu fahren, das habe ich erreicht. Ich bin sehr zufrieden." 519 Zähler sind es genau - im Vorjahr hatte er in der gesamten Saison gerade 875 gesammelt.

Steff macht jetzt Pause
Die 519 Punkte gewinnen zudem durch den Ausfall von Miller weiter an Wert, der Vorsprung auf den US-Boy beträgt schon 194 Zähler. Da war es Eberharter auch egal, das erste Mal nach sieben Rennen nicht bester Österreicher zu sein - zumal er die Gründe genau kennt. "Gerade auf diesem schwierigen Hang braucht man ein exzellentes Timing. Und das habe ich im ersten Lauf einfach nicht gehabt, ich bin zu den Toren gedriftet, das kostet Zeit. Mit diesem Lauf als Training bin ich aber im zweiten sehr gut gefahren", erklärte er. Die Müdigkeit sei dagegen kein großes Problem gewesen, "das war weit weniger schlimm als in den vergangenen Jahren". Jetzt ist aber trotzdem Pause für "Steff" angesagt: "Zu Hause entspannen, nur leichtes Training, am Dienstag geht es dann schon wieder nach Kranjska Gora." Da warten am Donnerstag und Freitag zwei weitere Riesentorläufe.

Gruber sensationell
Neben Eberharter im Hinblick auf den Weltcup war Gruber der "moralische" Sieger des Rennens. Schon im ersten Lauf sehr gut unterwegs, stoppte ihn nach zweitbester Zwischenzeit nur ein Fehler im Flachstück. "Da habe ich noch Glück gehabt, dass ich überhaupt 30. geblieben bin. Das einzige Rennen, wo alle im zweiten Durchgang Preisgeld bekommen - und ich nicht dabei, das wäre schlimm gewesen", lachte er nach dem zweiten Lauf, in dem er die Konkurrenz mit einer Fabelzeit geschockt hatte. Nur Didier Cuche hatte im Finale der besten 30 mit sieben Zehntel weniger als eine Sekunde Rückstand auf Gruber. "Dabei bin ich überrascht, dass es so gut geht, denn eigentlich hatte ich seit Amerika keinen einzigen Tag Riesentorlauf-Training."

Raich und Mayer zufrieden
Auch Benni Raich war über Rang vier glücklich. "Weitaus mein bestes Ergebnis auf diesem Hang - und das mit nur zwei Tagen Training. Da muss man zufrieden sein", sagte der Pitztaler, der seine Rückenprobleme langsam überwindet. "Für mich ist es wichtig, dass ich konditionell schon wieder ganz gut dabei bin, dazu gewöhne ich mich langsam wieder ans Ski fahren, denn das konnte ich ja einige Zeit nur bei den Rennen."

Auch bei Christian Mayer wird es von Rennen zu Rennen besser. Die 20 Tabletten pro Tag gegen seine bakterielle Verseuchung des Blutes helfen, langsam kommt auch wieder die Kraft, diesmal war er im zweiten Lauf Viertschnellster, am Ende gab's Platz sieben. "Überrascht mich fast selbst, denn in Val d'Isere bin ich im zweiten Lauf brutal eingegangen. Aber hier gab es kein Eis, das hat mir sehr geholfen, da kann ich auch meine Routine ausspielen", sagte der Kärntner.

Knauß mit Rang 17 überglücklich
Neben dem Quartett unter den ersten Zehn strahlte aber ein anderer ÖSV-Läufer ganz besonders: Hans Knauß, der bei seinem Comeback im Riesentorlauf als 17. wichtige Punkte sammelte. "Ich war nur mehr 30. der Startliste, wenn ich das nicht geschafft hätte, wäre es beim nächsten Rennen wohl eine Startnummer um 60 geworden - wenn es dann für mich überhaupt noch ein Rennen im Riesentorlauf gegeben hätte. Es ging um sehr viel, ich bin überglücklich", freute sich der Steirer.

Herren-Riesentorlauf in Alta Badia, Endstand

1.

Frederic Covili
FRA
2:40,58
2.

Michael von Grünigen
SUI
2:40,60
3.

Sami Uotila
FIN
2:40,67
4.

Christoph Gruber
AUT
2:40,79
.

Benjamin Raich
AUT
2:40,79
6.

Didier Cuche
SUI
2:40,82
7.

Christian Mayer
AUT
2:40,88
8.

Massimiliano Blardone
ITA
2:40,98
9.

Stephan Eberharter
AUT
2:41,30
10.

Bjarne Solbakken
NOR
2:41,37
11.

Fredrik Nyberg
SWE
2:41,48
12.

Ivica Kostelic
CRO
2:41,54
13.

Uros Pavlovcic
SLO
2:41,56
14.

Thomas Vonn
USA
2:41,57
15.

Alberto Schieppati
ITA
2:41,61
16.

Vincent Millet
FRA
2:41,74
17.

Hans Knauß
AUT
2:41,88
18.

Jernej Koblar
SLO
2:41,91
19.

Davide Simoncelli
ITA
2:41,98
20.

Josef Strobl
AUT
2:42,00
21.

Joel Chenal
FRA
2:42,02
22.

Kjetil-Andre Aamodt
NOR
2:42,03
23.

Lasse Kjus
NOR
2:42,06
24.

Alessandro Roberto
ITA
2:42,17
25.

Jean-Pierre Vidal
FRA
2:42,59
26.

Jeff Piccard
FRA
2:42,96
27.

Kenneth Sivertsen
NOR
2:43,08
28.

Patrick Cogoli
ITA
2:43,10
29.

Florian Seer
AUT
2:43,19

16.12.2001 11:06