Zwei "Nutznießer" der Verletzungsserie

Die österreichische Ski-Nationalmannschaft wurde in dieser Saison von einer schwarzen Serie heimgesucht, die vor allem die Abfahrts-Mannschaft bitter traf. Hermann Maier, Hannes Trinkl und Werner Franz - viele Teams hätten diese Ausfälle wohl nicht verkraftet. Doch in Österreich stand "Ersatz" parat. Und diese Ersatzleute nutzten die Gunst der Stunde. Michael Walchhofer fuhr schon zwei Mal aufs Podest und der Vorarlberger Chrstian Greber, als "Notnagel" ins Team gerutscht, fährt konstant in die Top Ten und ist auch im Abfahrts-Weltcup Neunter.
Die Überraschung schlechthin ist aber Michael Walchhofer. Über den Slalom in den Weltcup gekommen, profiliert er sich immer mehr in der Abfahrt. Der 1,92m-große Salzburger ist derzeit die Nummer zwei hinter Stephan Eberharter. "Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich heuer im Sommer das erste Mal wirklich Abfahrt trainiert habe", sagte er. Initialzündung war der neunte Platz im Vorjahr in Kitzbühel mit wenig Training. "Da habe ich gesehen, dass ich vorne mitfahren kann und mich dazu entschieden, mich im Sommer mehr auf die Abfahrt zu konzentrieren", erklärte der 26-Jährige. Außerdem ersparte er sich durch die Ausfälle die interne Qualifikation und avancierte so im wahrsten Sinne des Wortes zum "Nutznießer", denn diese Chance nützte er eindrucksvoll.
Slalom vernachlässigt
Dieses Training hat sich bezahlt gemacht, allerdings gibt es für Walchhofer auch einen Wermutstropfen: "Ich habe durch die Konzentration auf die Abfahrt natürlich den Slalom vernachlässigen müssen. Und das merkt man auch. Aber vorerst will ich es weiter probieren, bis Kranjska Gora bleiben mir ja einige Tage Training, da werde ich auch den 1,55-m-Ski probieren."
Greber kämpfte sich zurück
Eine andere Geschichte ist Christian Greber. Der Vorarlberger wurde im Sommer aus allen Kadern entlassen, bereitete sich auf eigene Kosten vor - und erhielt nach den Ausfällen eine weitere Chance. Die er auch nützte, immerhin war er in allen bisherigen Abfahrten in den Top Ten. "Vielleicht ist es gerade meine Motivation, dass ich allen beweisen kann, dass ich besser bin, als man mich oft abgestempelt hat", sagte der 29-Jährige aus Mellau. Wie stark er ist, beweist ein Blick aus seine bisherigen Ergebnisse in Gröden. Ein 23. Platz stand da zu Buche. Heuer fuhr er zwei Mal in die Preisgeldränge. "Das ist schon positiv, denn die Kosten für das Training habe ich schon wieder herinnen."
Allerdings weiß Greber nicht, ob er auch offiziell schon wieder im ÖSV-Kader aufgenommen ist. "Zumindest habe ich einmal einen Anorak, einen Rennanzug und Unterwäsche bekommen", sagt er mit einem Lächeln. Fährt er so weiter, wird es bald mehr sein.
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