Dienstag, 11. Dezember 2001

Beunruhigung gibt es aber keine

Die Slalom-Welt steht Kopf, zumindest aus österreichischer Sicht. War es in der Vorsaison oft nur die Frage, welcher ÖSV-Laufer vor wie vielen seiner Teamkollegen gewinnt, so ist es heuer völlig anders. Die Gegner haben nicht nur aufgeschlossen, sie haben das stärkste Team der Welt sogar überholt.

Benjamin Raich war am Montag im Nachtslalom von Madonna di Campiglio als bester Österreicher nur auf Rang sechs zu finden, das Resultat im italienische Nobelskiort war ein erneuter Beweis für die neuen Kräfteverhältnisse im Slalom. Doch Grund zur Beunruhigung gibt es für Herren-Cheftrainer Toni Giger deswegen noch nicht: "Auch wenn das Ergebnis auf jeden Fall die Konzentrationsfähigkeit schärft."

Genaue Analyse
Gewisse Rätsel gibt der Slalom vom Montag aber doch auf. Denn nur Raich, dessen sechster Platz nach drei Wochen ohne Slalom-Training ausgezeichnet ist, und der junge Manfred Pranger (16.) überzeugten. "Auffallend war, dass wir vor allem im oberen Teil verloren haben, der eigentlich der leichtere ist", wunderte sich auch Giger. "Wir werden das aber sicher ganz genau analysieren." Dafür hatte der Trainerstab schon in Madonna die modernsten Geräte mit, um jedes noch so kleine Detail später auf Video abrufen und vergleichen zu können. Doch Panik wird nach Madonna im ÖSV nicht ausbrechen. "Man darf jetzt nicht alles auf den Kopf stellen. Aber genau werden wir uns das sicher ansehen", betonte Giger.

"Stein der Weisen" gesucht
Für ihn liegt die grundsätzliche Ursache auf der Hand. "Im Moment entscheidet der richtige Mix zwischen Technik, Fahrlinie und Material. Und da haben wir noch nicht den Stein der Weisen gefunden", erklärt der Teamchef. Was bleibt ist Arbeit. Gesucht wird nach der richtigen Abstimmung. Die hat Bode Miller gefunden. "Aber er ist vor drei Jahren genauso gefahren wie jetzt. Nur ist bei ihm dann der Ski zum Läufer gekommen, dazu fährt er im Moment mit der Kraft des Siegers", sagt Giger, der dem US-Amerikaner auch im Gesamtweltcup alles zutraut. Sofern er sich im Zaum hält, vor allem in Abfahrt und Super G. "Wenn seine Skifirma Fischer gescheit ist, dann nehmen sie ihm die Abfahrts- und Super-G-Ski weg", erinnerte er an den Sturz von Miller in Val d'Isere. "Das hatte auch anders ausgehen können."

Vorsprung weg
Für sein Team sei es auf jeden Fall schwieriger geworden. Die anderen Nationen hatten den Vorteil, sich an den Österreichern orientieren zu können. "Im Vorjahr hatten wir etwas Neues, das haben die anderen kapiert und kopiert. Wir müssen eben immer wieder nach neuen Dingen suchen, die uns Vorteile bringen. Aber der Vorsprung vom Vorjahr ist weg, die Dichte ist enorm."

Fahren wie auf Schienen
Doch wird man sich an die neue Slalom-Welt gewöhnen müssen, das bestätigt auch Manfred Pranger. "Ich bin das schon vom Europacup gewohnt. Es gibt bis zu 30 Läufer in einer Sekunde, der Unterschied liegt in den Nuancen", berichtet der Tiroler nach seinem besten Weltcup-Resultat. Und erklärt, dass der "Slalom neu" vielleicht sogar leichter ist als die alte Technik. "Es schaut fast so aus. Wenn man das richtige Paket hat, ist es auf alle Fälle leichter", sagt der Wipptaler. Zudem kommen den hinteren Läufern derzeit die sensationellen Pisten entgegen. "Außerdem ist es mit den neuen Skiern leichter, hinten zu fahren. Denn wenn man es gut kann, dann wird man in den Spuren der Vorderleute fast noch schneller, dann läuft's wie auf Schienen."

Österreicher kommen wieder an die Spitze
Die Österreicher werden zurück an die Spitze kommen, da ist sich auch Slalom-Trainer Gert Ehn sicher. "Natürlich ist so ein Rennen wie in Madonna auch Frust, aber wenn ich es nicht aushalte, dass wir einmal nicht auf den Podest stehen, dann habe ich den falschen Beruf." Zudem gibt es bereits jetzt Fortschritte. So fuhr Thomas Sykora zum Beispiel den besten Lauf seit seinem Comeback, nur ein kleiner Fehler kostete ihn im engen Feld die Qualifikation für den zweiten Lauf.

11.12.2001 13:07