Mittwoch, 12. Dezember 2001

Für Staatsanwalt reichen Daums Aussagen nicht aus

"Gelegentlich habe ich Kokain gekauft und konsumiert", kann sich Christoph Daum nun erinnern. Der Staatsanwaltschaft in Koblenz reicht dieses Geständnis nicht aus. Der Angeklagte müsse seiner allgemeinen Aussage konkretere Erinnerungen hinzufügen, verlangte Staatsanwalt Jörg Angerer.

Auch der Vorsitzende des Gerichts, Ulrich Christoffel, hatte dem Coach des türkischen Spitzenklubs Besiktas Istanbul den Rat gegeben, jetzt seine "Hausaufgaben" zu machen.

Daum hatte am Dienstag nach der letzten Zeugenaussage überraschend das Wort ergriffen und einen aufgewühlten, nach seiner Aussage nicht mit den Anwälten abgestimmten Appell formuliert. Darin gab er in allgemeiner Form Kokainkäufe von dem Hauptangeklagten K. zu. Zudem habe er falschen Umgang gehabt, sagte Daum. Er strebe ein schnelles Ende des Prozesses an, den er "beinahe als Hinrichtung" empfinde.

Tragfähiges Teilgeständnis gefordert
Sollte Daum ein juristisch tragfähiges Teilgeständnis abliefern, halte er eine Abtrennung des Verfahrens und ein schnelles Urteil durchaus für möglich, meinte Angerer. Dabei käme es nicht darauf an, dass sich Daum zu jedem einzelnen Punkt der Anklage äußere. Eine volle Beweisaufnahme ohne Daum-Geständnis würde seiner Einschätzung nach über den bereits terminierten Verhandlungszeitraum bis Ende Februar hinausgehen. Wenn der Trainer früher geredet hätte, wäre die Sache auch ohne Prozess mit einem Strafbefehl zu erledigen gewesen, sagte der Ankläger. Daums Schweigen habe seiner Behörde aber keine andere Wahl gelassen.

100 Gramm "Koks" auf einmal?
Ob die Staatsanwaltschaft an dem umstrittenen Anklagepunkt der Anstiftung zum Drogenhandel festhalten will, ließ Angerer offen. Laut Anklage soll Daum einen Dealer veranlasst haben, ihm 100 Gramm Kokain auf einmal zu besorgen. Diesen Vorgang stritt Daum auch in seinem emotionalen Ausbruch am Dienstag ab.

12.12.2001 13:08