Rekorde fielen der Reihe nach

Mit Gold und Silber sowie vier Rekorden gingen am Sonntag für den Verband Österreichischer Schwimmvereine (VÖS) die IX. Kurzbahn-Europameisterschaften in Antwerpen zu Ende, die mit Abstand erfolgreichsten in der VÖS-Geschichte: Maxim Podoprigora siegte über 200 m Brust in 2:07,79 Minuten und Mirna Jukic musste sich in 1:07,59 über 100 m Brust nur der Deutschen Anne Poleska (1:07,25) geschlagen geben. Judith Draxler belegte über 50 m Kraul in 25,04 Sekunden den ausgezeichneten fünften Platz, hatte aber im Halbfinale ihren eigenen Rekord auf 24,97 verbessert. Beim VÖS hofft man auf einen großen Sponsor.
Podoprigora wurde trotz Verkühlung seiner Favoritenstellung über die längste Brustdistanz in eindrucksvoller Manier gerecht. Bereits auf der dritten Länge setzte sich der Langbahn-Vizeweltmeister an die Spitze und ließ sich von dieser bis ins Ziel nicht mehr verdrängen. In 2:07,79 pulverisierte der 23-Jährige zudem seinen erst am Vormittag auf 2:08,63 gesteigerten Rekord und setzte sich vor dem Briten Ian Edmond durch. Es war dies das erste VÖS-EM-Gold für einen Schwimmer in der Nachkriegszeit, das erst zweite in der Kurzbahn-EM-Geschichte nach dem Sieg von Vera Lischka in Rostock 1996 über 50 m Brust.
Sieg trotz aller Probleme
"Das war ein ganz schweres Rennen für mich. Erstens weil ich mich auf Grund meiner Verkühlung nicht speziell vorbereiten konnte, und zweitens weil man mich am Vormittag im Vorlauf wegen eines angeblichen Delfinschlags bei der Wende hatte disqualifizieren wollen. Deshalb war ich vor dem Rennen auch nervös und bin dann ein wenig verkrampft gewesen", erzählte Podoprigora, der es für seine Verhältnisse überraschend schnell angegangen war. "Bei der zweiten Wende war ich schon Zweiter, und nach 100 m lag ich schon voran. Ich bin froh, dass das dann im Ziel auch so war."
Goldenes Weihnachtsgeschenk
Ein bisschen trauerte Podoprigora aber dem um nur 21/100 Sekunden verpassten Europarekord des Franzosen Stephan Perrot (2:07,58, 17.12.2000 Valencia) nach. "Den habe ich wegen meiner Krankheit und den Vorfällen am Vormittag verpasst. Aber eigentlich kann man auch mit Gold zufrieden sein", meinte "Max" mit einem Augenzwinkern. "Das ist ein super Weihnachtsgeschenk für meine Familie und meinen Trainer Andrzej Szarsynski, der oft nicht die Anerkennung in der Öffentlichkeit bekommt, die ihm zusteht."
Jukic holt zweite Silbermedaille
Auch Mirna Jukic, die bereits über 200 m Brust Silber gewonnen hatte, hielt erneut dem Erwartungsdruck stand und blieb gleich 0,51 Sekunden unter ihrem am Vortag erzielten VÖS-Rekord. Draxler holte im Sprint der Königsdisziplin ebenfalls das für sie mögliche Maximum heraus, Bronze war jedoch mit 24,61 Sekunden klar außer Reichweite. Der Sieg ging an Topfavoritin Inge de Bruijn aus den Niederlanden, die in 23,89 nur drei Zehntel über dem Weltrekord blieb.
Neue Europarekorde zum Abschluss
Für die internationalen Glanzlichter des Schlusstags sorgten Peter van den Hoogenband, Martina Moravcova und Nicole Hetzer mit Europarekorden. Der niederländische Olympiasieger blieb über 200 m Kraul in 1:42,46 Minuten klar unter der fast zwölf Jahre alten Rekordzeit des Italieners Giorgio Lamberti (1:43,64), über dieselbe Distanz unterbot die Slowakin Moravcova ihre eigene, drei Jahre alte Bestmarke in 1:54,74 um 38/100. Und die Deutsche Hetzer löschte über 400 m Lagen in 4:29,46 Minuten den Uraltrekord der Rumänin Noemi Long aus, die am 31. Jänner 1987 in Paris nach 4:31,36 angeschlagen hatte.
Gangel: "Sensationell!"
Thomas Gangel, der Generalsekretär des Verbandes Österreichischer Schwimmvereine (VÖS), hat am Sonntag nach Ende der EM ein hoch zufriedenes Resümee gezogen. "Dieses Abschneiden mit ein Mal Gold, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze ist absolut sensationell", jubelte der Wiener. "Wenn uns das jemand vor fünf Jahren gesagt hätte, hätten wir es nicht für möglich gehalten."
Viele Asse waren nicht dabei
Was Gangel besonders freute, war die Tatsache, dass das mit vier Medaillen beste VÖS-Abschneiden der Kurzbahn-EM-Geschichte, ohne die US-Legionäre Markus Rogan, Langbahn-Vizeweltmeister über 200 m Rücken, Michael Windisch, Elvira Fischer, Barbara Auer, Christine Schreiner sowie Delfin-Spezialistin Petra Zahrl, im Vorjahr Kurzbahn-EM-Dritte in Valencia über 200 m, und Langstrecken-Krauler Hannes Kalteis (wegen Grundausbildung beim Bundesheer war für beide keine entsprechende EM-Vorbereitung möglich) erzielt wurde. "Wir haben also für die Kurzbahn-WM im April in Moskau und die Langbahn-EM 2002 in Berlin noch viele Asse in der Hinterhand."
Bruststarke Österreicher
Dass alle vier Medaillen in Belgien über Bruststrecken geholt wurden, lag neben der Abwesenheit von Rogan und Zahrl laut Gangel vor allem an der Tatsache, "dass wir im Brustbereich sehr gute Techniktrainer haben". Seit 1996 bei den Sommerspielen in Atlanta, als Vera Lischka sensationell Olympia-Fünfte über 100 m Brust geworden war, habe sich nun diese Entwicklung konsequent fortgesetzt. "Ebenso wie der Erfolgstrend, der mit Gold und Silber von Vera bei der Kurzbahn-EM 1996 in Rostock begonnen hat."
Jetzt fehlt nur noch ein Sponsor
Nur eines fehlt dem VÖS nach dem tollen zehnten Platz in der Nationenwertung in Belgien noch zur absoluten Glückseligkeit, wie der "VÖS-General" betont. "Ein großer Sponsor, der uns dabei unterstützt, damit wir auch in Zukunft erfolgreich sind. Angesichts dieses EM-Erfolgs hoffe ich, dass wir einen entsprechenden Partner finden."
