Der Warschauer Pakt plante Wiens Vernichtung

In Ungarn entdeckte Dokumente geben erstmals Einblick in die Nuklearkriegspläne des Warschauer Paktes: Bei einem Konflikt mit der NATO hätten die Sowjets Österreich in Schutt und Asche gelegt, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein Dokument des Grauens.
Die Geschichte spielt zur Zeit des Vietnamkrieges. Österreich fühlt sich sicher - immerhin ist der Krieg am anderen Ende der Welt. Weit weg.
Vernichtung
In der Nacht zu diesem Donnerstag, dem 23. Juni 1965, beugte sich in der Sowjetkaserne in Mátyásföld, einem Vorort von Budapest, Generaloberst K. I. Provalov, Kommandant der Armeegruppe Süd des Warschauer Pakts, mit seinem Stab über eine Armeelandkarte, Maßstab 1: 50.000, und ordnete die Vernichtung der Republik Österreich an.
Provalov veranschlagte dafür nicht einmal eine Viertelstunde. Binnen 13 Minuten, ab Punkt 7 Uhr früh, sollten zwölf Nuklearsprengköpfe Tod und Vernichtung auf Wien, Graz, St. Pölten, Klagenfurt und Linz herabregnen: insgesamt 1.260 Kilotonnen – fast das Hundertfache der Sprengkraft von Hiroschima. Es war eine "Stabsrahmenübung", die Provalov und seine Offiziere – Sowjets und Angehörige der 5. Ungarischen Armee – veranstalteten, und es war dennoch weit mehr als ein Spiel: Die bislang streng unter Verschluß gehaltenen Protokolle dieses Manövers, zu denen Militärhistoriker erst vor wenigen Tagen in ungarischen Archiven Zugang erhielten, geben erstmals detaillierten Einblick in die Planungen des Warschauer Pakts für einen Atomkrieg gegen den Westen.
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