Freitag, 14. Dezember 2001

USA rufen Beauftragen zurück

Der US-Nahostbeauftragte Anthony Zinni ist zu Konsultationen in die USA zurückgerufen worden. Das US-Außenministerium erklärte dazu, Zinni solle US-Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell eine Einschätzung der Lage im Lichte der jüngsten Ereignisse und darüber geben, wie am besten weiter zu verfahren sei. Zinni werde weiter "engagiert" bleiben und in die Region zurückkehren.

Ein Zeitpunkt wurde in der Erklärung aber nicht genannt. Zuvor hatte Zinni in Kairo mit dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak nach Wegen aus der Krise im Nahen Osten gesucht.

In der Konfliktregion hatten israelische Streitkräfte in der Nacht zum Samstag den autonomen Ort Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen eingenommen. Am späten Samstagabend zogen sie sich laut israelischen Rundfunkangaben nach fast 16-stündiger Militäroperation aus der Ortschaft wieder zurück. Seit Beginn der Offensive wurden dort nach palästinensischen Angaben vier Palästinenser getötet, darunter ein zwölfjähriger Junge. Mindestens 70 weitere Palästinenser wurden den Angaben zufolge in Beit Hanun verletzt. Ein Palästinenser wurde im Süden des Gazastreifens bei dem Versuch erschossen, mit einem umgeschnallten Sprengstoffgürtel in eine israelische Siedlung einzudringen.

Israelische Truppen waren in den frühen Morgenstunden mit etwa 20 Panzern in Beit Hanun eingedrungen und hatten im Tagesverlauf 15 mutmaßliche Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Organisation festgenommen. Die Armee teilte mit, aus den Reihen der Bevölkerung habe es während der Aktion "verhältnismäßig großen Widerstand" gegeben. Der Ort sei eine "Hamas-Hochburg, in der zahlreiche Anschläge geplant wurden". Mehrfach seien israelische Siedlungen im Norden des Gazastreifens und der nahe gelegene Kontrollpunkt Eres von dort aus mit Mörsergranaten beschossen worden.

Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte am Samstag ein Veto der USA im Weltsicherheitsrat gegen die Entsendung internationaler Schutztruppen in die Palästinensergebiete. Am späten Freitagabend hatte die Autonomiebehörde in Ramallah beschlossen, trotz der israelischen Militäraktionen an der Waffenruhe mit Israel und der Verhängung des Ausnahmezustandes in den autonomen Gebieten festzuhalten.

Der russische Präsident Wladimir Putin kritisierte das Vorgehen der israelischen Armee gegen Ziele in den von Palästinensern bewohnten Gebieten. "Ungeachtet der derzeit dramatischen Lage ist eine Rückkehr zur Politik noch möglich", schrieb Putin in einem am Samstag veröffentlichten Brief an Arafat. Russland ist gemeinsam mit den USA Schirmherr des Verhandlungsprozesses im Nahen Osten.

14.12.2001 08:37