Papst will Christen und Moslems näher bringen

Mit einem außerordentlichen Fastentag für den Frieden will Papst Johannes Paul II. heute Christen und Moslems näher bringen. Der 81-jährige Heilige Vater hat den 14. Dezember auch deshalb ausgewählt, weil an diesem Tag der moslemische Fastenmonat Ramadan zu Ende geht. In Italien gibt es breite Zustimmung für die Idee, nur das rechte Spektrum ist skeptisch.
Christen und Moslems seien stärker denn je aufgerufen, gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit einzutreten, betonte der Papst zuletzt am vergangenen Sonntag. ihn im November bewogen, den Fastentag mitten im Advent auszurufen. Zuvor hatte er in seinem 23-jährigen Pontifikat erst drei Mal außerordentliche Fastentage angesetzt: 1986 für eine Verständigung zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion sowie 1993 und 1994 für einen Frieden in Bosnien-Herzegowina.
Auch Moslems, Juden und angehörige anderer Religionen haben sich nach Angaben des Vatikans der Initiative angeschlossen. In Italien wollen sich auch zahlreiche Nichtgläubige beteiligen, unter ihnen Kommunisten-Chef Fausto Bertinotti.
Breite Zustimmung zum Fasttag
Der von Papst Johannes Paul II. ausgerufene weltweite Fasttag am heutigen Freitag findet in Italien breite Zustimmung. Politiker italienischen Parteien bekundeten ihre Absicht, dem Fastenaufruf zu folgen. Mitmachen wollen unter anderen Ex-Staatspräsident Francesco Cossiga und Ex-Premier Giulio Andreotti. Für die Grünen kündigte Grazia Francescato an, der gesamte Vorstand der Partei werde sich an dem Fasten beteiligen, das Katholiken und Nichtglaubende miteinander verbinde. Ihre Mitwirkung hat auch der christdemokratische Europaminister Rocco Buttiglione angekündigt. Kritik kommt nur aus dem rechten Spektrum, das eine Vermischung zwischen Katholizismus und Islam befürchtet.
Für Katholiken gelten nicht so strenge Fasten-Vorschriften wie am Aschermittwoch und Karfreitag. An diesen Tagen darf kein Fleisch gegessen werden, und es ist nur eine Sättigung erlaubt. Diesmal können sie Art und Umfang ihres Verzichts auf Nahrung selbst bestimmen. Dafür sollen diesmal auch Kinder und Menschen über 65, die in der Fastenzeit vom Nahrungsverzicht ausgenommen sind, nach dem Willen des Papstes ein kleines Opfer bringen.
Johannes Paul II. hatte in den vergangenen Wochen wiederholt seine große Besorgnis um den Weltfrieden zum Ausdruck gebracht. In seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar hat er betont, dass nach dem 11. September "Menschen auf der ganzen Welt mit neuer Intensität das Bewusstsein der persönlichen Verwundbarkeit erfahren" hätten. "Sie haben begonnen, mit einem tiefen, bis dahin nicht gekannten Angstgefühl in die Zukunft zu schauen", beklagte Johannes Paul II.
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