Donnerstag, 13. Dezember 2001

Soldaten umstellten das Parlament

Mehrere Stunden nach der Abwehr eines Terroristenangriffes auf das indische Parlament war am Donnerstag eine starke Explosion aus dem Parlamentsgebäude zu vernehmen. Bei dem Angriff waren mindestens 12 Menschen ums Leben gekommen.

Es handelte sich nach Angaben eines Polizeioffiziers um die kontrollierte Detonation einer Bombe, die von den Angreifern noch vor ihrem versuchten Sturm in das Parlament geschmuggelt worden und dort in einer Kantine versteckt worden war.

Zwölf Tote bei Angriff auf das Parlament
Bei dem Terrorangriff mutmaßlicher Moslem-Extremisten sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Der Fernsehsender "Star News" berichtete von fünf Angreifern, sechs Polizisten und einem Gärtner, die ums Leben gekommen seien.

Mindestens 25 Menschen wurden schwer verletzt. Die Identität der Täter war unklar. Beobachter hielten einen Zusammenhang mit dem Kaschmir-Konflikt für wahrscheinlich. In Srinagar im indischen Teil Kaschmirs hatten Rebellen im Oktober bei einem Bombenanschlag auf das Regionalparlament mehr als 40 Menschen getötet.

Die Angreifer in Neu Delhi hatten versucht, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Während des Angriffs befanden sich etwa 300 Abgeordnete im Sitzungssaal und den Büros. Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee und Oppositionsführerin Sonia Gandhi hatten das Parlament jedoch schon verlassen, als der Angriff gegen 11.25 Uhr Ortszeit (06.55 Uhr MEZ) begann.

Einer der Täter hatte Bombe am Körper
Einer der Täter zündete eine Bombe, die er am Körper trug. Es gelang den Angreifern nach Angaben von Verteidigungsminister George Fernandes nicht, in das Gebäude einzudringen. Abgeordnete berichteten von Panik. Sie hätten sich hinter Säulen versteckt.

Die Parlamentssitzung war gerade vertagt worden, nachdem die Opposition gegen einen Korruptionsskandal protestiert und eine reguläre Sitzung unmöglich gemacht hatte. Innenminister Lal Krishna Advani wollte sich nicht zum Motiv für den Angriff äußern. Es sei zu früh zu sagen, ob die Terrorgruppe El Kaida von Osama bin Laden dahinter stecken könnte, sagte Advani. Der Außenminister der afghanischen Nordallianz, Abdullah Abdullah, besucht derzeit Indien.

Vordringen auf Parlamentsgebäude sehr einfach
Es gab Gerüchte, dass es sich insgesamt um sechs Angreifer gehandelt habe, von denen einer möglicherweise entkommen konnte. Dafür gab es aber keine offizielle Bestätigung. Abgeordnete kritisierten, dass es sehr leicht sei, auf das Parlamentsgelände vorzudringen. Dienstwagen von Abgeordneten würden nicht kontrolliert, wenn sie entsprechend ausgewiesen seien. Die Täter hätten möglicherweise eine solche Zulassung gefälscht.

Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehrere Moslem-Gruppen für den Anschluss an Pakistan. Indien beschuldigt Pakistan, sie auszurüsten. Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan geteilt. Die heutigen Atommächte haben seit 1947 drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon um Kaschmir. Beobachter halten es für möglich, dass besonders radikale Rebellen den Anschlag begangen haben könnten. Pakistan, wohin sich die Rebellen bislang unbehelligt zurückziehen konnten, hat sich dem internationalen Kampf gegen den Terrorismus angeschlossen. Einige der Separatistengruppen in Kaschmir könnten dadurch ihre Basis verlieren.

Pakistan verurteilt Angriff scharf
Die pakistanische Regierung hat inzwischen den Angriff auf das indische Parlament verurteilt. Nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan war die indische Regierung vor möglichen Anschlägen gewarnt worden, sagte der indische Gesundheitsminister C.P. Thakur am Donnerstag nach der Schießerei am Parlamentseingang.

13.12.2001 08:24