Mittwoch, 12. Dezember 2001

Gerhard Weis' Schicksal: Pension oder GI?

Am 21. Jänner 2002 wählt der ORF einen neuen GI. Noch-General und Kandidat Gerhard Weis spricht mit NEWS über sein Antreten, Parteipolitik im ORF und sein Verhältnis zum Kanzler.

NEWS: Sie stilisieren sich zur politischen Leiche. Bauen Sie eine Märtyrer-Legende auf?
Weis: Die Kandidatur fiel mir nicht leicht. Sie bedeutet, die Geschäfte des ORF unter nicht ganz leichten Rahmenbedingungen weiter zu besorgen. Das ist eine Mordsplage, das weiß ich wohl besser als mancher andere.

NEWS: Stiftungsratschef Pekarek hat Sie dafür kritisiert, andere Kandidaten abzuqualifizieren.
Weis: Ich wollte keinesfalls andere Mitbewerber abqualifizieren. Das steht mir nicht zu. Ich halte mich auch nicht für unersetzlich. Die Friedhöfe sind voll von Unersetzlichen. Ich zähle mich nicht dazu. Jetzt ist aber Vorkenntnis gefragt, weil Zeit zum Einarbeiten niemandem vergönnt ist. Das ORF-Gesetz muss ab 1. Jänner umgesetzt werden.

NEWS: Aber was ist mit der politischen Leiche?
Weis: Tut mir leid, wenn es als Selbstinszenierung gesehen wird. Ich wollte damit nur auf Presseberichte reagieren, nach denen die Bestellung des Generaldirektors ein Koalitionsfall sei, dass es da Chefentscheidungen gebe und dass sich seltsamerweise ständig jene Politiker melden, die erst vor kurzem sagten, der Fortschritt sei die Entparteipolitisierung des ORF. Das habe ja nicht ich erfunden. Ich wundere mich nur, dass alle mitspielen, dass das letztlich nur politische Entscheidungen seien. Noch dazu so hochrangige, dass es zum Koalitionsfall stilisiert wird. Ich sagte nur: Für den Fall, dass tatsächlich eine politische Entscheidung fällt, braucht es auch ein politisches Opfer. Auch da macht meine Bewerbung Sinn. Dann wird’s halt offenkundig, wie es so zugeht.

NEWS: Sie glauben also nicht an einen unabhängigen Stiftungsrat?
Weis: Ich habe gleichzeitig dazugesagt, dass sich meiner Meinung nach die Stiftungsräte nicht von der alles überwölbenden Parteipolitik beeindrucken lassen werden. Ich glaube daran, bis zum erwiesenen Gegenteil. Ich bin natürlich nicht naiv. Aber ich glaube an deren Unabhängigkeit. Das ist eine Schlüsselfrage für die Zukunft: Unabhängig vom Generaldirektor ist ja von alles entscheidender Bedeutung, ob sich wieder die Politik drüberwölbt – oder ob der Himmel klar ist. So wie es die Gesetzesväter immer definiert haben.

NEWS: Riess-Passer hat Ihnen vorgeworfen, gegen das ORF-Gesetz gewesen zu sein.
Weis: Ich kann nur an ein Missverständnis glauben. Dieses Gesetz wurde ausgeschickt, um Stellungnahmen einzuholen. Ich kann nicht glauben, dass jene, die das eingefordert haben, nur affirmative Zustimmung wollten. Da muss doch kritische Auseinandersetzung erlaubt sein.

NEWS: Trotzdem scheint die Regierung gegen Sie zu sein?
Weis: Ich verstehe nicht, warum einer, der sich zu kritisieren traut, automatisch out sein soll. Es kann doch nicht sein, dass nur Ja-Sager gesucht werden.

Lesen Sie das ganze Interview mit Gerhard Weis im aktuellen NEWS!

12.12.2001 16:10