Mittwoch, 12. Dezember 2001

Krisengipfel über die Zukunft der Christen

Papst Johannes Paul Il. hat am Donnerstag Gewaltakte seitens Israels und der Palästinenser verurteilt und die Ansicht vertreten, die Menschen im Heiligen Land seien Opfer von "zwei verschiedenen Extremismen". Diese entstellten das Image des Heiligen Landes, sagte der Papst bei der Eröffnung des Krisengipfels über die Zukunft der Christen im Heiligen Land im Vatikan.

Er zögere nicht, zu sagen, dass man zu einem Augenblick zusammentreffe, den man als "dramatisch" bezeichnen müsse. Es sei traurig, dass "unsere jüdischen und moslemischen Brüder" sich nicht an die Seite der Christen schlagen, um das Heilige Land wieder zu einem solchen des Friedens zu machen, betonte Johannes Paul II., der im Vorjahr selbst Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete besucht hatte.

In Anwesenheit des Papstes beraten sieben Führer der katholischen Kirchen der Region mit Vertretern der Kurie und einer Abordnung der Weltkirche über die Entwicklung in der Region seit dem Ausbruch der zweiten Intifada und insbesondere nach dem 11. September. Die Christen, deren Zahl in Israel und den Palästinensergebieten rund 160.000 beträgt, leiden als Minderheit besonders unter den Folgen des Nahost-Konflikts. Infolge einer starken Abwanderung geht ihre Zahl stetig zurück.

Nach der Begrüßung durch den Papst sprach zunächst der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, vor den 21 Konferenzteilnehmern über die "Situation der Christen im Heiligen Land nach dem 28. September 2000". Der Besuch des jetzigen israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon an jenem Tag auf dem Tempelberg war Auslöser der "Al Aksa-Intifada", die inzwischen mehr als 1.000 Menschenleben gefordert und den Friedensprozess völlig zum Erliegen gebracht hat.

In weiteren Statements befassen sich Kurienkardinal Francis Arinze mit dem islamisch-christlichen Dialog, der vatikanische Außenminister Erzbischof Jean-Louis Tauran mit der Jerusalemfrage sowie der vietnamesische Kurienkardinal Nguyen Van Thuan mit der Flüchtlingsproblematik. Die Weltkirche ist durch Repräsentanten der kontinentalen Bischofsräte vertreten. Für Europa nimmt Bischof Amedee Grab von Chur, Präsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), teil.

Aus der betroffenen Region sind neben Sabbah die Spitzenvertreter der katholischen Syrer und Armenier, der Maroniten, Melkiten und Chaldäer sowie der für die Pflege der Heiligen Stätten zuständige Franziskaner-Kustos angereist. Außerdem sind die Nuntien aus Israel und Jordanien anwesend.

12.12.2001 15:11